Stand: 25.07.2018 14:06 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wo sollen freigegebene AKW-Abfälle hin?

Werden Kernkraftwerke abgeschaltet, steht ein weiterer großer Schritt in Richtung Energiewende an: Die Atomanlagen müssen zurückgebaut werden. Weil die äußere Bausubstanz auch Strahlung aufnimmt, lässt sich darin Restradioaktivität nachweisen. Die Aktivität dieser Abfälle wird laut Umweltministerium von unabhängigen Sachverständigen gemessen. Überschreitet sie den Grenzwert nicht, spricht man von sogenannten freigegebenen Abfällen - aber auch dann muss der Schutt sorgfältig deponiert werden. Mit dieser Entsorgungsfrage hat sich seit 2016 eine Arbeitsgruppe von Sachverständigen befasst. Die Ergebnisse hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch vorgestellt - ein fertiges Konzept gibt es allerdings noch nicht.

Ausschlusskriterien gibt es, einen konkreten Plan noch nicht

Das heißt: Ein konkretes Wie oder Wo konnte der Minister nicht beantworten. Die AG hat sich unter der Leitung des Ministers weitgehend auf Ausschlusskriterien geeinigt. "Am Ende hat sich mehrheitlich die Auffassung durchgesetzt, dass die in Deutschland vom Gesetzgeber vorgesehenen Lösungen, die nur äußerst gering radioaktiv belasteten Abfälle in den kommenden zwanzig Jahren zu entsorgen, im Grundsatz vertretbar und geeignet sind", sagte Habeck.

Vom Tisch sei, die Anlagen einfach stehenzulassen - der sogenannte sichere Einschluss von Atomkraftwerken. Ein Endlager unter der Erde sei ebenfalls keine Option, meinte Habeck. Grundsätzlich kämen für die Entsorgung der freigegebenen Abfälle sieben Deponien infrage: Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg), Niemark, Schönwohld, Gremersdorf (Kreis Ostholstein), Damsdorf/Tensfeld, Großenaspe (Kreis Segeberg) und Wiershop (Kreis Herzogtum Lauenburg). In den kommenden Wochen sollen Sachverständige sie überprüfen. Der Bericht wird zum Ende des Jahres erwartet.

Kritiker gegen Deponien als Entsorgungsort

Die Umweltorganisation BUND lehnt die Entsorgung dieser Baustoffe oder Abbruchabfälle auf Deponien grundsätzlich ab und kritisiert die bundesweit geltenden Grenzwerte als zu hoch. Sie fordert, diese Stoffe besonders gesichert zu verwahren, zum Beispiel in oberflächennahen Endlagern.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.07.2018 | 13:00 Uhr

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