Winterwetter SH: Eisige Kälte, viel Wind und Ostsee-Hochwasser

Stand: 07.02.2021 20:51 Uhr

Schneefall, heftiger Ostwind und Eiseskälte - vor allem im Norden Schleswig-Holsteins haben Polizei, Feuerwehr, Räum- und Abschleppdienste seit dem Sonntagmorgen alle Hände voll zu tun. Im übrigen Teil des Landes blieb der angekündigte Schnee aus.

Dauerfrost und eisiger Ostwind: In ganz Schleswig-Holstein hat es am Sonntag Minusgrade mit Temperaturen bis zu -4 Grad gegeben, die sich örtlich deutlich kälter anfühlten. Das angekündigte Schneechaos blieb aber größtenteils aus. Lediglich im nördlichen Teil des Landes sorgten Glätte und Schneeverwehungen für Beeinträchtigungen. In den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland rückte die Polizei zu einigen wetterbedingten Unfällen aus, wie ein Polizeisprecher sagte. Dort sorgte der kräftige Wind teilweise für Schneeverwehungen. Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz, einige Autos mussten abgeschleppt werden.

Jede Menge Wind

Die Landesstraße zwischen Munkbrarup und Husby ist wegen Schneeverwehungen in beiden Richtungen gesperrt. Sie sollte bis zum Montag dicht bleiben. Die Leitstelle Mitte meldete, dass in Kiel, Neumünster und auch in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön immer mal wieder Bäume umgefallen sind. Auch Ziegel von Dächern lösten sich. Im Raum Kiel rückten die Einsatzkräfte seit dem Morgen etwa 35 Mal aus.

Autobahnmeisterei Schuby: "Fahrt vorsichtig"

Mit etlichen Lkw und einem Unimog waren die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Schuby den ganzen Tag im Einsatz, um Schneeverwehungen zu entfernen. Vor allem in den Bereichen Schleswig/Schuby und Harrislee waren kritische Punkte. Immer wieder mussten die Verwehungen von Neuem entfernt werden. Hans-Jürgen Wille von der Autobahnmeisterei Schuby appelliert an die Autofahrer, sich auch am Montagmorgen mit Vorsicht auf den Weg zur Arbeit zu machen: "Fahrt vorsichtig und rechnet immer damit, es kann plötzlich eine Schneewehe oder Schnee auf der Straße liegen." Streufahrzeuge sollten nicht überholt werden. Die Straßenmeistereien sind aber vorbereitet. Rund 500 Mitarbeiter haben sich laut Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr auf ein arbeitsreiches Wochenende eingestellt.

Räumfahrzeug fährt sich fest

Zwischen Freienwill und Oeversee hatte sich am Sonntagnachmittag ein Schneepflug festgefahren - bei dem Versuch die Straße an einer Stelle zu räumen, an der sich bereits eine enge Schneise gebildet hatte. Zwei weitere Pflüge mussten helfen. Nach etwa 30 Minuten war die Straße wieder frei und der Schneepflug befreit. Im Bereich nordöstlich von Oeversee sind auch weitere kleine Straßen und Wirtschaftswege betroffen und zum Teil gesperrt, wie zum Beispiel zwischen Juhlschau und Munkwolstrup.

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Straßenglätte führt zu Unfällen

Die Einsatzkräfte mussten in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg zu mehreren Glätteunfällen ausrücken. Aus noch ungeklärten Gründen kam am Sonntagvormittag eine Autofahrerin zwischen Ellund und Gottrupel von der Straße ab und fuhr in den Meyner Mühlenstrom. In der Nacht fuhr ein Autofahrer in der Nähe von Handewitt gegen einen Baum und wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Autofahrerin war nach der Rettung nicht ansprechbar und wurde unterkühlt ins Krankenhaus gebracht. Außerdem blieben laut Polizei viele Autofahrer in Schneeverwehungen stecken - auch ein Rettungswagen war bei Risum-Lindholm davon betroffen.

Hochwasser an der Ostsee

Und auch an der Ostseeküste machte sich das Wetter bemerkbar. In Eckernförde zum Beispiel wurde das Wasser so sehr an die Küste gedrückt, dass der Pegel am Nachmittag schon 83 Zentimeter über Null stand. Dort hat die Feuerwehr nach Angaben der Stadt sogar schon Sandsäcke gefüllt. Im Raum Flensburg rechneten Verantwortliche mit erhöhten Wasserstände von bis zu 90 Zentimetern. Auch in der Kieler und der Lübecker Bucht steigt das Wasser deutlich an. Helfer in Kiel, Lübeck und Flensburg bereiteten sich darauf vor, dass die Hafenbereiche durch den Ostwind überflutet werden könnten.

Bahn stellt Fernverkehr teilweise ein - auch Fähren fahren teilweise nicht

Ein Fährübergang.  Foto: Jörg Jacobsen
Kein Betrieb am Sonntag: die Elbfähre Glückstadt - Wischhafen.

Der Fernverkehr der Bahn in Schleswig-Holstein wurde zum größten Teil vorsorglich eingestellt. Auch am Sonntag fuhren keine Fernverkehrszüge aus Richtung Hamburg nach Kiel, Lübeck und Westerland. Das Unternehmen will vermeiden, dass Züge auf freier Strecke liegen bleiben. Die Regionalzüge auf diesen Strecken fahren aber. Bereits gekaufte Tickets können später genutzt oder kostenlos storniert werden. Außerdem fallen einige Fähren der Wyker-Dampfschiffs-Reederei auf die Nordsee-Inseln Föhr und Amrum am Sonntag aus. Grund ist das vorhergesagte extreme Niedrigwasser. Zwischen Schlüttsiel und den Halligen Hooge und Langeneß entfiel der Fährverkehr komplett. Das gilt auch für die Elbfähre Glückstadt - Wischhafen.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.02.2021 | 19:30 Uhr

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