Stand: 21.10.2017 07:00 Uhr

Wildschweine in Innenstädten - eine Ausnahme

Große Aufregung am Freitagvormittag in der Heider Innenstadt. Zwei Wildschweine rennen panisch umher, verletzen vier Menschen. Es herrscht Ausnahmezustand: Die Innenstadt wird abgeriegelt, Autofahrer sollen in ihren Wagen bleiben, Anwohner in ihren Häusern. Nach zwei Stunden erschießt ein Jäger eines der Tiere, das zweite Wildschwein flüchtet. Laut Landesjagdverband hat die Population der Tiere in den vergangenen Jahren stark zugenommen und sie treiben sich gerne auch in Gärten am Stadtrand herum. Dass sich die Schwarzkittel aber in Innenstädte verirren, gilt bei den Experten als Ausnahme.

Wildschwein im Wald.

Was zieht die Wildschweine in die Innenstädte?

Schleswig-Holstein Magazin -

Woran liegt es, dass Wildschweine immer häufiger in die Städte laufen, und weshalb waren die Tiere in Heide so aggressiv? Berufsjäger Christopher von Dollen gibt Antworten.

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Wildschweine haben sich rasant vermehrt

Die Wildschweinpopulation hat sich laut Marcus Börner vom Landesjagdverband in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert: Wurden 1965 in ganz Schleswig-Holstein knapp 1.600 Tiere geschossen, waren es 2016 fast 15.700 erlegte Wildschweine. Für die rasante Vermehrung gibt es mehrere Erklärungen. Die Tiere finden immer mehr und immer bessere Lebensräume: Naturschutzgebiete, gute Nahrung auf Maisfeldern, die Winter sind nicht mehr so hart. Zudem tragen Eiche und Kastanie fast jährlich massenhaft Früchte, früher gab es die sogenannten Mastjahre laut Marcus Börner nur alle sieben bis zehn Jahre, "so dass die Wildschweine auch in den Wintermonaten immer ausreichend Nahrung haben und von daher geht es denen ganz gut und sie können sich gut ausbreiten."

Aufgescheucht und in die Innenstadt verirrt

Natürlich brauchen immer mehr Tiere auch immer mehr Platz - wie zum Beispiel auch zu sehen in Lübeck. Dort trauen sich die Wildschweine bis in die Gärten hinein, zum Beispiel im Stadtteil Buntekuh, der direkt an ein Waldgebiet grenzt. Doch was in Heide passiert ist, ist nach Ansicht des Jägers eine Sondersituation. Marcus Börner vermutet, dass die Tiere aufgescheucht wurden - durch Hunde, Menschen, vielleicht auch durch die Erntemaschinen. Sie haben sich in die Innenstadt verirrt "und dann sind sie letztendlich kopflos, sehen Rot und wissen nicht mehr wohin mit sich selbst und werden dadurch dann natürlich aggressiv".

Wildschweine gehen in Heide auf Menschen los

Eigentlich friedliche Tiere

Von Wildschweinen gehen nach Expertenansicht eigentlich nur selten Gefahren aus. "Wildschweine sind im Grunde friedliche Tiere", sagte Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung der Deutschen Presse-Agentur. "Nur in Extremfällen kann die Begegnung mit einem Wildschwein gefährlich sein." Das sei zum Beispiel der Fall, wenn ein Keiler verletzt wird. Dann verhalte er sich sehr aggressiv, sagte der Biologe.

Das Landwirtschaftsministerium in Kiel hat die Jäger nun dazu aufgefordert, die Tiere weiter verstärkt zu jagen, um die Bestände zu reduzieren. Auch der Bauernverband ist dafür, schließlich steigen mit der Zahl der Wildschweine auch die Wildschäden auf Feldern. Allerdings gilt bei Jägern die Jagd auf Schwarzwild als nicht besonders einfach, da es sich um dämmerungs- und nachtaktive Tiere handelt.

Karte: Der Weg der Wildschweine durch Heide
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2017 | 08:00 Uhr

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