Stand: 20.06.2018 11:03 Uhr

Wie eine 83-Jährige Enkeltrickbetrüger hereinlegte

von Carsten Janz

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Erkannte die mutmaßlichen Enkeltrickbetrüger am Telefon: Theresia Schippmann.

Als das Telefon klingelt, weiß Theresia Schippmann noch nicht, was sie erwartet. Sie ist 83 Jahre alt und gehört damit perfekt in die Zielgruppe für sogenannte Enkeltrickbetrüger. Am anderen Ende der Leitung spricht ein angeblich entfernter Verwandter von ihr. Er bittet sie, ihm 19.000 Euro zu besorgen. "So viel habe ich nicht", sagt Schippmann, "aber 10.000 Euro, die kann ich dir geben."

Polizei hört mit

Zu diesem Zeitpunkt hat die Rentnerin den Braten schon gerochen. Sie weiß: Sie wird gerade von einer kriminellen Verbrecherbande angerufen. "Mein Verwandter Thomas hätte mich nie um so viel Geld gebeten." Schippmann reagiert deshalb gedankenschnell. Neben ihr sitzt zufällig ihr Enkel, der sie an diesem Tag besucht. Sie gibt ihm ein Zeichen, dass er die Polizei informieren soll. Die hört ab diesem Zeitpunkt das Gespräch zwischen Schippmann und dem "Enkeltrickbetrüger" mit: Schippmann stellt einfach ihr Telefon laut und die Polizei kann so über das Telefon des Enkels das Gespräch mit dem mutmaßlichen Betrüger verfolgen.

Polizisten kommen in Zivil zur Übergabe

Schippmann verabredet sich mit dem Anrufer zur Geldübernahme wenige hundert Meter von ihrem Haus in Bad Bramstedt entfernt. Gleichzeitig positionieren sich Zivilpolizisten am Herrenholz, dem Treffpunkt am Waldrand. "Dass wir die Möglichkeit haben, Täter auf frischer Tat zu ertappen, ist äußerst selten“, sagt Arnd Habermann von der Polizei Bad Segeberg.

"Läufer" kommen zur Übergabe

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Theresia Schippmann verabredete ein Treffen am Waldrand mit den mutmaßlichen Betrügern.

"Frau Schippmann hat sehr gut und mutig reagiert", sagt der Polizist. Die Anrufer, die versuchen, den meist alten Menschen Geld abzunehmen, seien professionell geschult. Sie rufen meist aus dem Ausland an und schicken sogenannte Läufer zu den Geldübergaben. "Erst da fällt den älteren Damen und Herren auf, dass sie nicht ihren Enkeln oder Verwandten das Geld zur Verfügung stellen sollen", sagt Habermann. Die Täter im Ausland können meist nicht ermittelt werden, die Läufer hingegen schon.

Rückzieher auf den letzten Metern

Zur Geldübergabe ist Schippmann nicht gegangen. Sie war zwar schon auf dem Weg, hat aber dann doch auf halber Strecke Angst bekommen. "Vielleicht hätte er gemerkt, dass ich schwindele, und mich verletzt", sagt sie. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter trotzdem schnappen. Jetzt kann ihm der Prozess gemacht werden, ob die Beweise am Ende ausreichen, ist aber nicht ganz klar. Auf jeden Fall können die Drahtzieher diesen "Läufer" nicht mehr einsetzen, sagt Habermann von der Polizei.

Enkel ist stolz auf seine Oma

"Stolz bin ich nicht", sagt Schippmann. Aber die 83-Jährige freut sich schon, dass einer der Tatverdächtigen überführt werden konnte. Ihr Enkel, der die ganze Zeit neben ihr saß, sieht das ein bisschen anders. "Das ist schon toll, wie sie die Ruhe bewahrt hat", meint Björn Svensson. Vielleicht ist den Enkeltrickbetrügern jetzt klar, sagt er, dass sie bei seiner Oma mit der Masche keinen Erfolg haben werden.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.06.2018 | 19:30 Uhr

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