Stand: 15.09.2019 07:00 Uhr

Wie ein Dorf für seinen Landgasthof kämpft

von Peter Bartelt

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Gut eineinhalb Jahre nach dem Brand kann Tessi Winkel wieder lachen. Bald will sie in ihrem Gasthof wieder Gäste bewirten.

Der 12. Januar 2018 wird Angelika Bade immer in Erinnerung bleiben. Denn an diesem Tag vernichtete ein Feuer den Landgasthof "Zur Eiche" in Schafstedt (Kreis Dithmarschen). Der Dorfmittelpunkt und die Existenz der überall beliebten Wirtin Tessi Winkel lag in Trümmern. Nur eine qualmende Ruine blieb übrig. "Man konnte es kaum glauben", erinnert Bade sich. Sie hatte regelmäßig im Gasthof gekellnert. "Als der Feuerwehr-Pieper von meinem Schwiegersohn Alarm schlug, habe ich natürlich gleich gefragt, was los ist", sagt Bade. "Und dann hat meine Tochter mir gesagt, dass es bei Tessi brennt."

Wenn Bade erzählt, versagt ihr die Stimme. Die Bilder des Unglücks kommen wieder hoch, sie hat Tränen in den Augen. Doch bereits am selben Tag wurde damals klar: Die Schafstedter wollen ihren Landgasthof wieder aufbauen und alles dafür tun.

Bürgermeister: "Das war rührend zu sehen"

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Im Januar vergangenen Jahres war vom Landgasthof nur noch eine Ruine übrig.

Rückblick: Die Nachricht vom Feuer verbreitet sich in der 1.300-Einwohner-Gemeinde in Windeseile. Und fast genauso schnell setzt eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Tessis Wohnung über der Gaststube ist nur noch ein Haufen Asche, alle persönlichen Gegenstände sind vernichtet. Sofort bekommt sie Angebote, wo sie fürs Erste wohnen kann. Kleider- und Geldspenden werden gesammelt.

"Eigentlich war es fast schon zu viel, aber es war rührend zu sehen, wie die Dorfgemeinschaft Tessi geholfen hat", sagt Schafstedts Bürgermeister Harald Mahn. Während die Schafstedter sich darum kümmern, dass es "ihrer" Tessi einigermaßen gut geht, kümmert er sich um den Papierkram. Er setzt sich mit der Versicherung auseinander - auch die bemüht sich, schnelle Lösungen zu finden.

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Eindecken für die Gäste: Der Landgasthof war immer der Dorfmittelpunkt schlechthin.

Die Versicherungssumme hilft, den Neubau zu finanzieren. Bürgermeister Mahn gelingt es, möglichst schnell eine Baugenehmigung zu bekommen und einen Architekten zu finden. Alle ziehen an einem Strang, damit Schafstedt möglichst bald einen neuen Landgasthof bekommt.

Im Inneren wird sich der Gasthof sehr verändern

"Es ging dann alles wirklich viel schneller, als wir gehofft hatten", sagt Bürgermeister Mahn. Regelmäßig treffen sie sich zu Baubesprechungen, sammeln Ideen und Wünsche von Tessi und prüfen, was machbar und finanzierbar ist. Dann, Anfang 2019, beginnt der Bau. Und inzwischen ist schon absehbar: Da entsteht ein hochmodernes Schmuckstück, direkt an der Hauptstraße.

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Hell und freundlich statt dunkles Holz: Schon jetzt ist zu erkennen, wie sich der Gasthof verändern wird.

Sven Köller hat im alten Landgasthof viele Mal mit seinen Freunden und der Familie gefeiert, jetzt baut er die Heizungsanlage und die sanitären Einrichtungen im neuen Gebäude ein. "In unserem alten Landgasthof war es immer ziemlich dunkel: viel dunkles Holz und nicht so viele Fenster. Wie Landgasthöfe früher eben aussahen", sagt Köller.

Jetzt soll alles viel freundlicher werden: helle Farben, große Fenster, eine schöne große Küche und ein riesiger Saal. "Und alles auf dem neuesten Stand der Technik. Das alte Gebäude hatte einen enormen Energieverbrauch. Das wird sich jetzt grundlegend ändern", freut sich Köller.

Tessi kann sich schon um die Polsterfarbe kümmern

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Im Frühjahr wollen die Schafstedter hier wieder feiern: der neue Landgasthof "Zur Eiche".

Die Arbeiten sind schon so weit fortgeschritten, dass sich Tessi bei der letzten Baubesprechung schon um die Polsterfarbe ihrer Stühle kümmern konnte. Anthrazit soll es werden. Dazu ein helles Grau an den Wänden. "Wird richtig schick und edel", freut sich der Bürgermeister. Im Frühjahr soll alles fertig sein. Und Mahn ist guter Dinge, dass das auch eingehalten werden kann. "Außerdem hat Tessi schon jetzt für das kommende Jahr zahlreiche Anmeldungen für Feste und Silberhochzeiten. Das verpflichtet natürlich auch, den Zeitplan einzuhalten."

Wird es vorher noch eine Einweihungsfeier geben? Da schmunzeln alle vielsagend. Und Sven Köller spricht aus, was alle denken: "Also, so wie ich die Schafstedter einschätze, werden die sich das nicht nehmen lassen. Da wird was kommen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 13.09.2019 | 17:45 Uhr

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