Stand: 25.02.2020 18:52 Uhr

Wie Kieler Werft-Azubis der Feuerwehr helfen

von Christian Wolf

Krachend donnert ein gewaltiger Vorschlaghammer auf Metall, eine Flex erfüllt die riesige Werft-Halle an der Kieler Förde mit ihrem kreischenden Sirren. Tausendfach tanzen Schweißfunken über den Boden. Der Lärm ist ohrenbetäubend und das eigene Wort kaum zu verstehen. 23 Auszubildenden der Werft German Naval Yards macht das allerdings nichts aus. Ganz im Gegenteil - sie sind in ihrem Element. Sie alle sind ausgewählt worden, um der Kieler Feuerwehr bei der Bekämpfung von Bränden auf See zu helfen. Dafür bauen sie seit gut einem Monat an einer Testanlage. Darauf soll der Ernstfall geprobt werden.

Feuer auf der "Pallas" sorgte für Umdenken

Als vor 22 Jahren der Frachter "Pallas" in Brand geriet, war nicht klar, wer für das Löschen zuständig ist. Deswegen haben der Bund und die Küstenländer das Havariekommando gegründet und festgelegt, wer verantwortlich ist. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttel gehören zu den Helfern auch die Berufsfeuerwehren aus Lübeck, Flensburg und Kiel.

Künftig sollen die Feuerwehrleute aus der Landeshauptstadt die Basis-Ausbildung dafür auf dem neuen Testmodul machen, das die Werft-Azubis bauen. Einer von ihnen ist Phil-Andree Helbig. Dass er dabei hilft, die Kieler Feuerwehr zu unterstützen, macht ihn stolz: "Also dass wir die Feuerwehr unterstützen, die uns im Endeffekt, wenn hier auf der Werft etwas passiert, auch retten muss, ist natürlich perfekt."

Freude und Verantwortung beim Azubi

Der 21 Jahre alte Schiffbauer verteilt die Arbeit an seine Kollegen und hilft den jüngeren Ausbildungsjahrgängen. Für Helbig ist es eine persönliche Auszeichnung, dass er dabei sein darf und so viel Verantwortung hat: "Ich habe mich schon während der Ausbildung angestrengt und tierisch gefreut, als mir gesagt wurde, dass ich dabei bin."

Sieben Schiffbauer, fünf Schweißtechniker, vier Konstruktionsmechaniker in Ausrüstung und sechs Anlagenmechaniker in Rohr und Systemtechnik sind mit dem Bau der Anlage beschäftigt. "Mit solchen Projekten wollen wir unsere Azubis fordern und fördern", erklärt der Ausbildungsleiter der Werft, Helge Krambeck. Die jungen Menschen sollen lernen sich abzusprechen, um so den ganzen Ablauf zu planen. Geplant ist, rund sieben Tonnen Stahl zu verbauen. 20 Quadratmeter wird die Testanlage am Ende groß sein.

Im April Übergabe an Feuerwehr-Akademie

Schon im April soll die Konstruktion der Akademie der Feuerwehr in Kiel übergeben werden. Damit der Schiffsaufbau möglichst realistisch ist, haben die Azubis enge Räume, Rohre und schiffstypische Fenster, Türen und Luken verbaut. Außerdem soll die Anlage später mit Kameras ausgestattet werden. So können die Übungen auf der Testanlage besser bewertet und auch auf mögliche Fehler aufmerksam gemacht werden. Bisher hat die Kieler Berufsfeuerwehr diese Übungen auf Schiffen in der Förde oder im Hafen abgehalten. Allerdings war die Zeit dann knapp bemessen und auch Kameras waren nicht verbaut. Mit der Testanlage soll die Feuerwehr in Zukunft quasi jederzeit üben können.

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Schleswig-Holstein Magazin | 25.02.2020 | 19:30 Uhr

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