Stand: 25.11.2019 21:46 Uhr

Widerstand in Wöhrden stoppt 100-Millionen-Projekt

Der Markt für Bio-Produkte wächst und damit auch die Anlagen, in denen beispielsweise Bio-Gemüse verarbeitet wird. In Wöhrden bei Heide (Kreis Dithmarschen) wollte ein Unternehmer nach eigenen Angaben etwa 100 Millionen Euro in eine neue Tiefkühlanlage für Bio-Gemüse investieren. Doch daraus wird nichts: Nach Protesten einer Bürgerinitiative zieht er seine Pläne für das Projekt "Ceres" zurück. "Der Widerstand hat dazu geführt, dass wir uns gefragt haben, ob wir alles richtig machen", sagte Westhof-Geschäftsführer Rainer Carstens auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. "Wir sind ins Grübeln gekommen."

Bürgerinitiative: Zu viel Lärm und Verkehr

In den neuen Hallen wollte Westhof im großen Stil Bio-Gemüse verarbeiten, verpacken und einlagern. Das Hochregallager sollte nach Angaben der Planungsgesellschaft 25 Meter hoch werden und Platz für 21.000 Paletten bieten. Die Kritiker des Projektes befürchteten nach eigenen Angaben mehr Verkehr durch Traktoren und Lastwagen sowie Lärm durch die Kühlanlagen. Zudem rechneten sie mit "erheblichen Wertverlusten von Wohngebäuden im gesamten Dorf", wie es auf der Internetseite der Bürgerinitiative "Für Wöhrden" heißt.

Mit einem Bürgerentscheid wollten die Gegner des Projektes das riesige Gebäude verhindern. Die Organisatoren hatten unter den etwa 1.300 Einwohnern bereits mehr als 300 Unterschriften gegen "Ceres" gesammelt.

Die Kommunalpolitiker in Wöhrden hätten enttäuscht auf die Absage der Investoren reagiert, sagte Bürgermeister Peter Schoof (CDU) im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Ihr Traum von der 100-Millionen-Euro-Investition, neuen Arbeitsplätzen und Steuer-Einnahmen ist geplatzt. Die Wöhrdener SPD macht dafür direkt die Bürgerinitiative verantwortlich: "Mit Ängsten und Halbwahrheiten wurde ein Klima geschaffen, das den Investor bewog, die Segel zu streichen", schreibt der SPD-Ortsverband in einer Mitteilung.

Investor will anderswo bauen

Bio-Unternehmer Rainer Carstens kann den Frust der Gemeindevertreter verstehen, nennt aber andere Gründe für den Rückzug: Er hält das sechseinhalb Hektar große Grundstück in Wöhrden inzwischen für zu klein. "Wir würden uns dort in einen Kessel setzen, aus dem wir nicht mehr rauskommen." Er will seine Pläne an einem anderen Ort umsetzen und sucht nach eigenen Angaben in Dithmarschen dafür nun ein passendes Grundstück. In Wöhrden betreibt Westhof bereits ein Gewächshaus und eine kleinere Frosterei.

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