Stand: 13.06.2018 15:00 Uhr

WhatsApp-Prozess: Anklage legt Berufung ein

Der sogenannte WhatsApp-Prozess um einen tödlichen Unfall auf der A 7 muss neu aufgerollt werden. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung gegen das Urteil ein. Am Dienstag hatte das Amtsgericht Neumünster einen 71 Jahre alten Autofahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Mitte Januar 2017 war der Autofahrer auf der Autobahn 7 bei Bad Bramstedt mit seinem Wagen in ein anderes Auto gekracht. Dabei starb eine 34 Jahre alte Mutter. Ihr acht Monate alter Sohn überlebte das Unglück mit schweren Prellungen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 71-jährige kurz vor dem Unfall den Nachrichtendienst WhatsApp auf seinem Handy benutzt hatte.

Gericht sieht Mitschuld der Frau

Nach Ansicht des Schöffengerichts wäre der Unfall auch ohne die Ablenkung durch WhatsApp zustande gekommen, hieß es in der Urteilsbegründung. Demnach ist auch die 34-Jährige mitschuldig an dem Unfall, weil sie mit etwa 60 Kilometern pro Stunde viel zu langsam auf die Autobahn fuhr. Anschließend sei der Angeklagte mit Tempo 120 in das Heck ihres Autos gefahren. Laut Anklage war der Mann in Richtung Hamburg unterwegs, als er mit seinem Auto von der linken auf die rechte Fahrspur zog und dort mit dem Wagen zusammenstieß. Die Mutter hatte ihren Pkw zum Unfallzeitpunkt von der Standspur zurück auf die Autobahn gelenkt.

Staatsanwaltschaft forderte Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten gefordert. Außerdem ein Bußgeld in Höhe von 5.000 Euro sowie den Entzug der Fahrerlaubnis für ein Jahr. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Der Angeklagte selbst berief sich vor Gericht auf Erinnerungslücken. Immer häufiger entstehen Unfälle, weil Fahrer durch den Blick auf das Smartphone abgelenkt sind. Jeder siebte bis zehnte Unfall geht nach Polizeiangaben darauf zurück.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.06.2018 | 14:00 Uhr

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