Stand: 02.03.2020 20:20 Uhr

Wetter in SH: Der nasseste Februar seit 1881

Im Winter hat es in Schleswig-Holstein viel geregnet, besonders im vergangenen Monat. "Der Februar war klitschenass", sagt Meteorologe Meeno Schrader, Wetterexperte für NDR Schleswig-Holstein. Der Februar war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der nasseste seit Beginn von Messungen im Jahr 1881. Die häufigen Regenfälle seien am Anfang des Winters sehr willkommen gewesen, um die teilweise noch trockenen Böden wieder aufzufüllen, die immer noch mit den Folgen des Dürresommers 2019 zu kämpfen hatten. Doch wie so oft kommt es auf die Dosis an: In den vergangenen Monaten hat es so viel geregnet, dass völlig durchnässte und matschige Felder das Ergebnis sind - ein Zustand, der den Erdbeer- und Spargelbauern im Land große Sorgen bereitet.

Dreifache Menge an Regen im Februar

Die Dämme auf den Spargelfeldern sollten schon längst angehäuft sein, die Tunnel für die Erdbeeren schon längst gezogen - doch noch ist nichts passiert. Das Wetter mache ihnen einen Strich durch die Rechnung, sagen die Spargelbauern, denn bei dem Zustand könnten sie noch nicht auf die Felder. Die Landwirtschaftskammer ist deshalb skeptisch, ob der heimische Spargel zu Ostern geerntet werden kann.

"In den meisten Regionen des Landes ist etwa das Dreifache dessen runtergekommen, was üblich ist", weiß Wetterexperte Schrader. "Das ist weit aus der Norm. Üblich sind im Schnitt etwa 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, im Februar wurden es um die 150 Liter - teilweise eben auch mehr", sagt der Meteorologe. Vor allem Helgoland und die anderen Nordseeinseln haben den Angaben zufolge viel Regen und auch Wind abbekommen: Insgesamt hat es im Winter an der Westküste 45 Tage mit Windstärken von mindestens acht Knoten gegeben.

Nicht nur zu nass - auch viel zu warm

Auch die Temperaturen waren im vergangenen Winter viel zu hoch. Es gab fast keinen Schnee, an der Westküste hat es laut Schrader keinen einzigen Frosttag gegeben - und auch Nordsee und Ostsee seien mit 5 Grad Minimum viel zu warm gewesen. "Der Februar gehörte mit einer Durchschnittstemperatur von 5,5 Grad zu den wärmsten, die wir in Schleswig-Holstein je hatten", sagt Schrader - damit sei der Monat um rund 4,7 Grad wärmer gewesen als im Schnitt.

Auch der Dezember mit 3,3 Grad und der Januar mit 5 Grad im Durchschnitt seien schon außerhalb der Norm. "Das ist eine gewaltige Ansage, wenn wir uns vor Augen führen, dass wir politisch eigentlich den Wert von 1,5 bis maximal 2 Grad nicht überschritten haben wollen", mahnt Schrader, "es ist alles überhitzt." Das heißt allerdings nicht, dass die Sonne viel geschienen hat: Laut DWD ist Schleswig-Holstein mit knapp 120 Stunden das zweitsonnenscheinärmste Bundesland Deutschlands im Winter gewesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 02.03.2020 | 16:10 Uhr

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