Stand: 16.05.2018 20:40 Uhr

Wenn nichts mehr geht: Der Strom-Blackout von Lübeck

Ein großflächiger Stromausfall hat am Mittwoch Lübeck und viele Gemeinden im Südosten Schleswig-Holsteins getroffen. In der Hansestadt stand das öffentliche Leben teilweise still. Ampeln fielen aus. Geschäfte mussten schließen. Fahrstühle blieben stecken. Ursache war ein technischer Defekt im Umspannwerk in Stockelsdorf (Kreis Ostholstein). Nach etwa vier Stunden gelang es Technikern, den Schaden zu beheben. Vor allem in Lübeck waren die Nachwirkungen jedoch auch am Mittwochabend noch zu spüren. Telefonanlagen funktionierten nur zum Teil. Buchungssysteme im Handel liefen nicht rund. Viele Satellitenanlagen lieferten noch kein TV-Bild.

Schadenersatzansprüche an die Netz Lübeck

Laut Schleswig-Holstein Netz AG hatte es eine Fehlschaltung durch die Netz Lübeck gegeben - eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Lübeck. Netz-Lübeck-Sprecher Lars Hertrampf entschuldigte sich im Schleswig-Holstein Magazin "bei vielen Tausend betroffenen Bürgern". Schadenersatzansprüche könnten direkt an die Netz Lübeck gestellt werden, so Hertrampf: "Diese werden wir dann prüfen."

Unter anderem war es in der Produktion des großen Medizintechnikherstellers Dräger zu einem Stillstand gekommen. Viele Mitarbeiter wurden nach Angaben einer Sprecherin nach Hause geschickt. Kühlsysteme wurden während des Ausfalls mit Notstromaggregaten betrieben.

Spannungseinbruch im 110.000-Volt-Netz

Durch die Fehlschaltung war laut Schleswig-Holstein Netz AG ein Spannungseinbruch im 110.000-Volt-Netz ausgelöst worden. Weil eine sogenannte Sammelschiene betroffen war, kam es neben Lübeck und Ostholstein auch zu Problemen in angrenzenden Kreisen. Meistens kam es zu kurzfristigen Spannungseinbrüchen. Die Schleswig-Holstein Netz AG war in Stockelsdorf mit mehreren Dutzend Fachleuten im Einsatz, um den Schaden zu beheben.

Wie Lübeck der Stromstecker gezogen wird

Polizisten regeln Verkehr am Holstentor

Die größten Einschränkungen gab es offensichtlich in Lübeck. Am Holstentor übernahmen Polizeibeamte die Verkehrsführung, weil Ampeln ausgefallen waren. Das galt auch für andere große Kreuzungen in der Stadt. Sämtliche Ampeln in Lübeck seien ausgefallen, sagte ein Polizeisprecher. An der Uniklinik und bei der Polizeileitstelle liefen die Notstromaggregate.

"Man kann uns die Würstchen nicht warmmachen"

Wer diese nicht zur Verfügung hatte, hatte ein Problem. In Restaurants und Supermärkten wurden die Kühlketten unterbrochen. Eisläden mussten ihre Ware so schnell wie möglich loswerden. Geschäftsleute klagten, nichts verkaufen zu können. Kunden klagten, nichts kaufen zu können. "Nicht mal einen Kaffee kann ich mir kochen", erklärte ein Lübecker. Zwei Touristen knurrte der Magen - "aber man kann uns hier die Würstchen nicht warmmachen".

Landespolizei: Leitungen für Notfälle freihalten

Die Landespolizei teilte via Twitter mit, dass die Leitstellen im Land weiter arbeitsfähig seien und Notrufe entgegennehmen können. Die Bitte, die Leitungen für Notfälle freizuhalten, erreichte viele Lübecker aber offensichtlich nicht. "Hier ist das Chaos ausgebrochen", sagte ein Polizeisprecher NDR 1 Welle Nord angesichts der vielen Anrufe, die die Beamten wegen des Stromausfalls erreichten.

Innensenator Hinsen will Prozesse überprüfen lassen

Lübecks Innensenator Ludger Hinsen (CDU) kündigte an, die Prozesse "in der Feuerwehr, in der Polizei, in den Rettungsdiensten und bei den Stadtwerken noch mal überprüfen" lassen zu wollen. "Aber im Moment sieht es so aus, als wenn wir die Lage auch mit den vorhandenen Prozessen in den Griff bekommen haben."

Auch Programme des NDR waren von dem Stromausfall betroffen. Wenn der Strom wieder fließt, kann es - technisch bedingt - vorübergehend noch zu Störungen kommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.05.2018 | 22:00 Uhr

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