Stand: 05.01.2018 20:24 Uhr

Wenn die Bille plötzlich zur Bedrohung wird

von Tobias Senff

Ein Boot des Technischen Hilfswerks (THW) legt am Rande des Mühlenteichs in Reinbek (Kreis Stormarn) in der Nähe des Schlosses an. Männer wuchten einen gut acht Meter langen Baumstamm auf die Wiese, der im Wasser trieb. Er hatte Kurs genommen auf das Wehr, durch dass die Bille abfließt. Dieser Durchlass hat mal gerade einen Durchmesser von drei Metern. "Die Fließgeschwindigkeit ist in diesem Trichter und dahinter sehr groß", erklärt Reinbeks Wehrführer Hans-Jörg Haase die rauschenden Wassermassen. An dieser Stelle darf das Wasser nicht stauen. Sonst würde sich das Wasser einen anderen Weg suchen, schildert er die Lage.

Hochwasser schießt an Ufermauer vorbei

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Anwohner Winfried Schneider sagt: "So hoch stand die Bille noch nie"

Mit etwas Sorge schaut sich Winfried Schneider das tosende Wasser an. Sein Wohnhaus steht direkt an der Brücke. Das Wasser schießt an einer Ufermauer nur wenige Meter an seinem Haus vorbei. "Sehr bedrohlich ist das Ganze. Die Bille steht etwa 30 Zentimeter unter der Mauer. Normalerweise ist sie zwei Meter weiter unten. Und so hoch hatten wir es auch noch nie." Der Normalstand wäre bei 1,20 Metern, bis zum Abend erreichte der Wasserstand die Marke von 2,50 Metern - 30 Zentimeter mehr als beim Hochwasser in Reinbek im Jahr 1976.

Auto lieber aus Garage gefahren

Deshalb schauen auch die Einsatzkräfte des THW und der Feuerwehr immer mal wieder nach der Mauer. Nach einer Besprechung sagt Winfried Schneider: "Ich wurde gefragt, ob ich noch etwas in der Garage hätte, ich solle besser mein Auto rausfahren." Am Mühlenteich geht der Reinbeker mit seinem Hund spazieren. "Da hinten ist ein Steg, der ist schon völlig überspült." Er zuckt mit den Schultern und hofft das Beste für sein Haus. Noch zwei Tage soll die Situation so bleiben wie jetzt, schätzt die Feuerwehr.

So kämpften die Helfer gegen die Wassermassen

Im Sommer ruhig und begehbar

Ein paar hundert Meter weiter abwärts der Bille befindet sich ein weiteres Nadelöhr. Unter einer Brücke steht das Wasser schon sehr hoch. Von oben beobachtet Heinrich Dierking die Wirbel im Wasser, die weiße Gischt. Er meint: "Es ist schon eine bedrohliche Lage, die hier entstanden ist. Mit Wasser ist nicht zu spaßen." Hier an dieser Stelle ist die Bille gerade ein gut zehn Meter breiter wilder Strom. Heinrich Dierking kennt die Bille eher anders. "Sie kann sehr ruhig fließen. Ist meist nur drei bis vier Meter breit. Im Sommer kann man auch durchgehen. Heute kann man sich auch vorstellen, dass hier früher Menschen ertrunken sind."

Bahnunterführung aus Sicherheitsgründen gesperrt

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Durchfahrt verboten: Die Einsatzkräfte haben eine Bahnunterführung in Reinbek gesperrt.

An der Brücke, auf der Heinrich Dierking gerade steht, hat die Feuerwehr schon einen Sandsack-Wall an einem Wohnhaus aufgebaut. Sollte das Hochwasser die Brücke überschwemmen, könnte es so wieder ins Flussbett zurückkehren, ohne das Haus zu beschädigen. "Wir wollen nicht, dass das Wasser durch Reinbek fließt", sagt Reinbeks Wehrführer Hans-Jörg Haase. Aus Sicherheitsgründen sperrte die Feuerwehr auch eine Bahnunterführung. "Das Grundwasser kann wegen des Hochwassers nicht abfließen. Unter der Straße könnten Hohlräume entstanden sein, da könnte ein Auto oder ein Bus einbrechen", erklärt Haase.

Ständige Kontrolle des Wasserstandes

Immer wieder schauen die Einsatzkräfte am Wehr des Mühlenteichs vorbei. Ähnlich wie Spaziergänger schauen auch sie fasziniert auf die rauschenden Wassermassen. Außerdem kontrollieren sie den Wasserstand. Auch in den kommenden Stunden und Tagen wird die sonst ruhige Bille noch sehr genau beobachtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.01.2018 | 22:00 Uhr

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