Stand: 22.12.2019 14:00 Uhr

Wenn der Weihnachtsmann bei der Tafel vorbeiguckt

Eigentlich sollte die Weihnachtsfeier erst um 13 Uhr beginnen. Doch schon eine Stunde vorher ist auf dem Gelände der Tafel in Bad Segeberg der Andrang groß. Der Weihnachtsmann dreht deshalb schon seine erste Runde und verteilt kleine Geschenktüten an die zahlreichen Kinder, die mit ihren Eltern gekommen sind. "Seit 2015 sind es vor allem auch viele Familien mit Migrationshintergrund, die zu uns kommen", erklärt Hans-Joachim Wild, der Vorsitzende der Tafel Bad Segeberg. Er hat alle Hände voll zu tun, ist zur Weihnachtsfeier Ansprechpartner für die Menschen, die Lebensmittel und Geschenke verteilen. "Unsere Weihnachtsfeier hier ist schon etwas Besonderes. Wir geben Geschenke aus. Die Strengliner Mühle verteilt Hühnersuppe für alle. Und dann ist jetzt zu den letzten Lebensmittelausgaben vor Weihnachten auch noch besonders viel los", sagt Wild, bevor er wieder in die Warenausgabe gerufen wird.

"Für meine Kinder ist es ein Highlight"

Auch Saskia Wilden aus Bad Segeberg ist unter den Menschen, die hier ihre Einkäufe für Weihnachten abholen will. Für ihr Baby und ihre Vierjährige seien die Geschenke ein richtiges Highlight, erzählt die junge Mutter. "Das sind Dinge, die ich ihnen sonst nicht bieten könnte." Saskia hat noch eine Tochter. Sie ist zehn Jahre alt und noch in der Schule. "Für sie bekomme ich leider kein Geschenk. Die Kinder müssen mit hier sein." Das seien die Regeln. "Wir verlieren sonst den Überblick", erklärt der Vereinsvorsitzende Wild. In die Geschenktüten hat die Tafel Spielzeug und Kuscheltiere gepackt - finanziert durch Spenden und mit Geld vom Bund. Die Kinder zwischen fünf und zehn Jahren bekommen altersgerechte Geschenke.

Freiwilliger Übersetzer

Um das allen Bedürftigen zu erklären, ist auch M. Hekmat Alrooh gefragt. Er kam vor vier Jahren selbst als syrischer Flüchtling nach Deutschland. Die Tafel in Bad Segeberg half ihm damals. "Ich habe hier Deutsch gelernt und ich habe beim Übersetzen geholfen", berichtet er. Neben seinem Job macht er das auch heute noch gerne. Und schon wird er wieder angesprochen. Eine Frau mit Baby auf dem Arm bittet ihn auf Arabisch um Hilfe. Kommt Hekmat Alrooh mit der Übersetzung nicht weiter, weil er kein Russisch oder Kurdisch spricht, bittet er andere Gäste der Tafel um Hilfe. "Ich habe durch die Tafel so viel Hilfe bekommen, eine Wohnung gefunden. Das sollen die Menschen, die hier herkommen, auch bekommen", sagt Alrooh mit einem Lächeln. 

Der Kreis Segeberg wirbt für den Kitaeinstieg

An der Geschenkeausgabe verteilt Janina Klos vom Kreis Segeberg zusätzlich zu den Weihnachtstüten Turnbeutel mit Kalendern und Rasseln. "Das gehört zum Bundesprogramm Kitaeinstieg", erklärt sie. Sie schätzt es, dass sie mit Eltern ins Gespräch kommt. Ihr Ziel: "Ich möchte sie davon überzeugen, dass sie ihre Kinder in den Kindergarten schicken." Warum? "Die Kinder von Flüchtlingen oder bedürftigen Menschen kommen so schneller in Kontakt mit anderen Kindern, lernen Deutsch. Wir gehen gegen die soziale Isolation an." Die Gespräche mit den Leuten fallen heute sehr kurz aus. Der Andrang am Stand mit den Geschenken ist einfach zu groß. In drei Reihen nebeneinander stehen Kinder mit ihren Eltern an.

Tafeln tauschen Lebensmittel untereinander

Etwas ruhiger läuft es dagegen an der Lebensmittelausgabe. Die wurde in der Zwischenzeit geöffnet. "Unsere Kunden bekommen farblich markierte Ausweise. Heute ist Grün zuerst dran. Beim nächsten Mal ist es dann eine andere Farbe. So wird keiner benachteiligt", erläutert Hans-Joachim Wild. Nicht immer bekommt die Tafel von allen Lebensmitteln so viele Spenden, dass es für alle reicht. Auch wenn die Tafeln in Schleswig-Holstein untereinander zum Beispiel Kartoffeln gegen Eier tauschen. "Wir geben für eine Familie einen Einkauf pro Woche im Wert von etwa 40 Euro aus. Das ist im Monat eine Ersparnis von 160 Euro im Monat. Das ist für jemanden, der nicht viel Geld hat, viel Geld", sagt Wild und zeigt auf volle Einkaufsbeutel. "Uns geht es ja auch hauptsächlich darum, dass nicht mehr so viele Lebensmittel weggeschmissen werden. Und wenn wir damit jemandem helfen können, umso besser."

Schüler organisieren "Weihnachten im Schuhkarton"

Außerdem vor Ort: Schüler des Städtischen Gymnasiums. Mit der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" beteiligt sich eine AG der Schule seit Jahren an der Weihnachtsfeier der Tafel. Drei Schülerinnen überreichen die Geschenke an diesem Nachmittag. Es sei ein ganz tolles Gefühl, den Menschen eine Freude zu machen und ihnen zu helfen, sagen die drei Mädchen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein von 10 bis 2 | 14.12.2019 | 11:10 Uhr

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