Stand: 22.05.2019 09:41 Uhr

Wenn Hilfe jungen Wildtieren eher schadet

Ob die kleine Käthe auf der Wiese bei Koberg (Kreis Herzogtum Lauenburg) überlebt hätte, ist ungewiss. Spaziergänger hatten das Rehkitz verletzt gefunden. Jetzt wird sie von Pflegemutter Ann-Kathrin Petermann aufgepäppelt. Die Jägerin versorgt das erst 30 Tage alte Rehkitz mit Milch, füttert es mit der Flasche - alle drei Stunden. Ein Job, der sie noch einige Zeit beschäftigen wird, denn das Jungtier braucht mindestens noch ein halbes Jahr lang Unterstützung.

Tiere bleiben an Menschen gewöhnt

Aber nicht jedes Jungtier, das von Spaziergängern gefunden wird, braucht diese Unterstützung auch. Nicht immer sind die kleinen Wildtiere Waisen. Auch ein Humpeln muss nicht direkt eine Verletzung bedeuten. Der Kontakt zu dem Menschen kann dann sogar eher schaden, weiß Carsten Pusch vom Naturschutzbund (NABU). "Leider bleiben diese Tiere sehr an den Menschen gewöhnt. Die Gefahr besteht, dass das Tier dann sehr unkontrolliert die Nähe zum Menschen sucht und dann beispielsweise durch Autos zum Opfer werden kann", erklärt Pusch.

Der natürliche Kreislauf

Dass Käthe jetzt von Hand aufgezogen wird, findet Jägerin und Pflegemama Ann-Kathrin Petermann in Ordnung. Aber sie sieht es lieber, wenn die Tiere auch in der Natur groß werden. Wenn Jungtiere das nicht überleben, ist das der natürliche Kreislauf. "Käthe hätte nicht überlebt. Dafür hätten aber die Fuchswelpen was gehabt. Das wäre in Ordnung gewesen. So wird sie jetzt von Hand aufgezogen. Aber in der Regel sollten sie draußen groß werden", sagt Petermann.

Käthe soll zurück in die Freiheit

Damit Käthe auch wieder unter ihre Artgenossen kommt, muss jetzt erstmal fleißig gefüttert werden. Mit 1.300 Gramm kam sie in die Obhut bei Ann-Kathrin Petermann. Nach nur drei Wochen wiegt sie schon 2,5 Kilogramm. In ein paar Monaten sucht die Jägerin übergangsweise nach einem Gehege für Käthe. Mit etwas Glück kann sie dann später wieder ausgewildert werden und zurück auf die freie Wiese.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.05.2019 | 19:30 Uhr

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