Stand: 27.05.2018 13:26 Uhr

Wenn Bello Erste Hilfe braucht

von Tobias Senff

Es sieht aus, als würde ein brauner Hund regungslos auf dem Boden liegen. Holger Fröde beugt sich über ihn und fragt: "Hallo, was ist los?" Der Hund ist ein Erste-Hilfe-Dummy, eine Puppe, und regt sich nicht. Holger ruft um Hilfe. Dann prüft er die Atmung. Auch da passiert nichts. Nun zieht der Kursteilnehmer die Zunge der Hundeattrappe aus dem Maul und tut so als würde er den Kopf überstrecken. Er fasst um die Schnauze und pustet zwei Mal in die Nase. "Diese Abläufe sind ja fast wie bei der normalen Beatmung auch", schildert die Leiterin des Erste-Hilfe-am-Hund-Kurses, Michelle Müller, den Vorgang. Die tiermedizinische Fachangestellte zeigt gerade fünf Hundebesitzern, wie sie ihre Lieblinge bei einem Unfall versorgen können. Dafür liegen in den Räumen des Arbeiter-Samariter-Bundes in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) die nötigen Hilfsmittel bereit.

Verbandskasten und Ruhe

Bevor die Teilnehmer wirklich Hilfetechniken lernen, kommt der wichtigste Punkt für Michelle Müller: Ruhe bewahren. "Die Tiere sind wegen der Verletzung schon aufgeregt genug. Außerdem würde sich die Nervosität der Menschen auf die Hunde übertragen." Erste Hilfe wäre dann noch schwieriger, weil die Hunde einfach nicht still halten. Und damit die Vierbeiner einen nicht beißen, sollte das Maul zusammengebunden werden. Mit einem Dreieckstuch aus dem Verbandkasten probieren es die Kursteilnehmer an Kuscheltierhunden. "Wie ist das bei einem Mops?" kommt die Frage von Ulrike Bensching. "Eher schwierig", antwortet Michelle Müller. Aber sie gibt noch Tipps für andere kleine Hunde, die eine kurze Schnauze haben.

Mit Berufserfahrung aus der Tierarztpraxis

Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag in einer Tierarztpraxis gibt Michelle Müller immer wieder gerne weiter. "Damit ein Hund, der mit Kreislaufproblemen liegt, nicht aufsteht und noch mehr Probleme bekommt, haltet ihr ihn am besten an den auf dem Boden liegenden Beinen fest. Dann kommt er nicht hoch." Nebenbei erzählt sie, dass sie bisher erst einen Hund wiederbeleben musste. Kursteilnehmer Stefan Gierke hat das bei der Arbeit in der Hundeschule schon erlebt. "Zum Glück hat eine Tierärztin, die zufällig da war, geholfen. Sonst brauche ich so 20 Minuten zum Tierarzt." Auch bei Verletzungen fühlt sich Stefan Gierke unsicher. Deshalb zeigt Kurzleiterin Michelle Müller, wie Wunden gut versorgt werden.

Verband nicht zu fest anlegen

"Fremdkörper wie Scherben sollten möglichst in der Pfote bleiben. Beim Rausziehen kann es noch viel schlimmer werden", erzählt Michelle Müller. Stattdessen sollte eine verletze Pfote gut gepolstert werden. "Zwischen jeden Zeh gehört etwas Watteband, auch an den Daumen." Die Binde muss bis über das nächste Gelenk gewickelt werden, damit der Verband nicht runterrutscht. "Dabei auf keinen Fall zu straff ziehen", erklärt Michelle Müller, "das würde nämlich die Blutzufuhr abschnüren". Auch das wird getestet. Allerdings nicht am Dummy, sondern an Iker. Der Schnauzer-Mix gehört der Kursleiterin und kennt schon alles. "Während meiner Ausbildung habe ich an ihm geübt und auch meine Mitschüler", sagte Michelle Müller

Tierarzt-Training nimmt Hunden Angst

Sechs mal wird Iker eine Pfote verbunden. Er hält einfach still und lässt auch die anderen Kursbesucher an seine Pfote. Anschließend gibt es jedes Mal eine kleine Belohnung. Michelle wünscht sich, dass auch andere Hunde das könnten. "Etwas Tierarzttraining würde uns die Arbeit leichter machen. Dann könnten wir den Hunden leichter ins Maul schauen, die Ohren kontrollieren, oder auch die Pfoten abtasten." Ulrike Bensching findet es eine gute Idee und will es im täglichen Training mit ihren Hunden umsetzen. Im Kurs gibt es auch noch Tipps zur Ersten Hilfe bei Vergiftungen. "Vollmilchschokolade ist bei kleinen Mengen kein so großes Problem", sagt Michelle zu ihren Praxiserfahrungen. "Der Kakao ist das Problem, je mehr in der Schokolade ist, desto schlimmer ist es."

Erbrechen bei Vergiftungen

Und sollte ein Hund ein anderes Gift verschluckt haben, kann ihn eine Super-Salz-Lösung zum Erbrechen bringen. Dazu muss so viel Salz wie möglich in Wasser aufgelöst und dem Hund zu trinken gegeben werden. Anschließend muss er erbrechen. Aber es gibt Ausnahmen, grenzt Michelle Müller ein. "Wenn er spitze oder scharfkantige Dinge gefressen hat, ist das nicht gut. Dann direkt zu einer Tierklinik." Dort können die Fremdkörper dann entfernt werden. Michelle Müller spricht noch über Magenverdrehung, Hitzeschlag und andere Dinge, die in einem Hundeleben so vorkommen können. Vier Stunden lang dauert der Erste-Hilfe-Kurs am Hund. Und hinterher sagen alle Teilnehmer, dass sie sich sicherer fühlen, falls ihrem Vierbeiner mal etwas passieren sollte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 27.05.2018 | 16:40 Uhr

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