Stand: 07.05.2019 16:46 Uhr

Wenden in der Rettungsgasse: "Lächerliche Strafen"

Die jüngsten Fälle in Schleswig-Holstein sind noch präsent: Am Montagabend fuhren zwei Autofahrer, die auf der A24 im Stau standen, kurzerhand durch die Rettungsgasse, um sich langes Warten zu ersparen. Auf der A7 waren mehrere Menschen Ende April sogar so dreist, im Stau zu wenden und über die Rettungsgasse zurückzufahren. Matthias Friedrichsen ist in seinem Kommentar der Meinung, dass diese Verkehrsteilnehmer Lernhilfen benötigen - und zwar teure.

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Matthias Friedrichsen ist Nachrichtenredakteur im NDR Landesfunkhaus Schleswig-Holstein.

Quälend langes Warten im Stau, wen nervt das nicht? Und es fühlt sich sogar an wie eine Höchststrafe für jemanden wie mich, der schon beim Warten in der langen Schlange an der Supermarktkasse in eine mittelschwere Krise geraten kann. Doch bitteschön: Welcher Teufel reitet Autofahrer, die in einer Rettungsgasse wenden, um aus dem Stau herauszufahren? Oder eine Rettungsgasse nutzen, um schneller voranzukommen?

Können sich diese Menschen nicht vorstellen, selbst Opfer zu werden?

Fernsehen, Radio, Internet - seit Jahren laufen großangelegte Aufklärungskampagnen, wie überlebenswichtig Rettungsgassen sind. Dass jede Sekunde, die der Krankenwagen schneller am Unfallort ist, über Leben und Tod entscheiden kann. Man darf mit dem Kopf schütteln, dass Autofahrer viel zu oft noch immer keine Rettungsgasse bilden, wenn sich der Verkehr staut.

Wenn aber eine Gasse gebildet und diese von genervten Autofahrern missbraucht wird, schlägt das dem Fass den Boden aus. Können sich diese Menschen nicht vorstellen, selbst Opfer eines schweren Unfalls zu werden und dringend ärztliche Hilfe zu benötigen?

Zurzeit drohen 200 Euro Bußgeld, ein Monat Fahrverbot und ein Punkt

Offensichtlich nicht. Deshalb brauchen sie geeignete Lernhilfen, und da könnten empfindliche Strafen den Anfang machen. Zurzeit drohen 200 Euro Bußgeld, ein Monat Fahrverbot und ein Punkt in Flensburg - lächerlich, das können viel zu viele Autofahrer leicht verschmerzen.

2.000 Euro Bußgeld wie in Österreich oder gern auch mehr plus noch ein oder zwei Jahre Fahrverbot - solche Strafen würden sicher manch einen dazu anregen, vor einem Missbrauch der Rettungsgasse doch noch mal nachzudenken. Vorausgesetzt die Polizei verschärft ihre Kontrollen, damit die empfindlichen Strafen nicht nur auf dem Papier drohen.

Härtere Strafen als bislang wären am schnellsten umzusetzen

Aber machen wir uns nichts vor: Natürlich würden härtere Strafen das Problem nicht aus der Welt schaffen. Für alles, was darüber hinaus helfen kann, sind Ideen von Verkehrspsychologen gefragt. Nur: Es wird immer Unbelehrbare geben. Und wie zwei Fälle innerhalb von zwei Wochen allein hier bei uns in Schleswig-Holstein deutlich zeigen: Es muss schnell etwas geschehen. Und härtere Strafen wären am schnellsten umzusetzen.

Weitere Informationen

Autofahrer fahren durch Rettungsgasse

Anstatt den Weg für Retter frei zu halten, haben zwei ungeduldige Autofahrer nach einem Unfall auf der A24 versucht, dem Stau durch die Rettungsgasse zu entkommen. Ohne Erfolg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.05.2019 | 17:00 Uhr

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