Stand: 19.05.2017 07:00 Uhr

Weltkriegsbunker in Lübeck zu verkaufen

von Hauke von Hallern

Es sieht ein bisschen so aus, als wäre ein riesiger Betonklotz vom Himmel in die Lübecker Warendorpstraße gefallen - mitten in ein ruhig gelegenes Wohngebiet mit farbenfrohen Mehrfamilienhäusern. Der graue Betonriese ist ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Bis 2013 diente er als "öffentlicher Schutzraum" für etwa 1.000 Menschen. Jetzt will ihn der Bund verkaufen. Keine leichte Aufgabe für Jörg Zänkert. Der 57-Jährige arbeitet für die "Bundesanstalt für Immobilienaufgaben" und soll mit der denkmalgeschützen Anlage möglichst viel Geld in die Kassen des Finanzministeriums spülen.

Der Bunker

Schutzbunker in Lübeck zu verkaufen

Schleswig-Holstein Magazin -

In Lübeck sollen zwei Bunker verkauft werden, die nicht mehr für den Zivilschutz gebraucht werden. Einer der Beton-Kolosse steht mitten auf der Lübecker Altstadtinsel.

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Neugierige Interessenten

Eine handvoll Leute kommt zum ersten öffentlichen Besichtigungstermin Anfang Mai, um den 1.000 Quadratmeter großen Bunker unter die Lupe zu nehmen. Zänkert führt sie durch eine dicke Stahltür in ein Labyrinth aus Gängen und engen Räumen. An den Wänden nackter Beton, an der Decke ein flackerndes, künstliches Licht, keine Fenster. "Die perfekte Kulisse für einen Horrorfilm", schmunzelt einer der Teilnehmer.

"Es ist schon ein beklemmendes Gefühl", stimmt Zänkert ihm zu. Die meisten Besucher sind einfach nur neugierig.  "Ich habe einen Friseurladen nebenan und sehe den Klotz sonst immer nur von außen", sagt eine Teilnehmerin. Eine Lübecker Architektin interessiert sich für die Geschichte: "Es ist ein Stück Lebensgeschichte, ein Stück Zeitgeschichte und natürlich auch ein Stück Baugeschichte".

Bunker als Lagerraum oder Diskothek

Zänkert führt die Besucher geduldig durch die Anlage, die vier Stockwerke hat. Ein ernsthaftes Kaufinteresse hat nur einer der Teilnehmer, doch der gibt sich wortkarg. "Der Bunker könnte später einmal als Lager dienen", erklärt Zänkert. "Oder er wird zu einem Musik-Bunker umgebaut, das wäre eine Diskothek mit Charme."

Laut Landesamt für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein gibt es landesweit 53 Bunker. Die meisten stehen in Kiel und Lübeck. Und wieviel müsste man für den Bunker in der Warendorpstraße bezahlen? Einen festen Preis gibt es nach Angaben von Zänkert nicht - jeder kann ein Angebot abgeben. Der Bund erhofft sich aber eine Summe an der Schwelle zum sechsstelligen Bereich.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein von 10 bis 2 | 19.05.2017 | 10:40 Uhr

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