Stand: 21.06.2018 11:51 Uhr

Weißer Ring: Ziercke räumt Fehler ein

Der kommissarische Leiter des Weißen Rings Schleswig-Holstein, Jörg Ziercke, hat eingeräumt, dass bei der Opferschutzorganisation Fehler passiert sind. Konkret geht es um den Umgang mit den Belästigungsvorwürfen gegen den ehemaligen Leiter der Lübecker Außenstelle. Ihm wird vorgeworfen, hilfesuchende Frauen sexuell belästigt zu haben. Es gibt inzwischen 19 Ermittlungsverfahren gegen den über 70-Jährigen. Der ehemalige BKA-Chef sprach bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Landesverbands am Donnerstag in Kiel von Fehleinschätzungen seitens des Landesvorstandes und von der schwierigsten Situation der Hilfsorganisation seit der Gründung vor 40 Jahren. Ziercke wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe eingesetzt.

Spenden stabil, Beratungsbedarf hoch

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Der ehemalige BKA-Chef Jörg Ziercke ist kommissarischer Leiter des Weißen Rings Schleswig-Holstein. Er spricht von der "schwierigsten Situation" der Organisation seit ihrer Gründung.

"Wir haben die allergrößten Befürchtungen gehabt, dass das zu einer wirklich fundamentalen, existentiellen Krise des Weißen Rings führen könnte", sagte Ziercke. Doch so sei es nicht gekommen. Die Spendenbereitschaft sei nicht eingebrochen. "Es gab eine sehr differenzierte Wahrnehmung von vielen, die gesagt haben, jetzt spenden wir erst Recht für den Weißen Ring", sagte Ziercke. Das Vertrauen gebe es nicht nur auf Seite der Spender, sondern auch Seite der Hilfesuchenden, sagte Ziercke. "Die Lübecker haben ungebrochen viele Opferfälle", berichtete er. "Die Opfer haben weiter Vertrauen zum Weißen Ring."

Bundesverband will mehr Durchgriffsrsechte

Das Ziel sei aber weiterhin, so Ziercke, Vertrauen zurückzugewinnen - und jedem kleinsten Verdacht direkt nachgehen zu können. So soll der Bundesverband künftig auch innerhalb der Landesverbände weisungsbefugt sein, um bei möglichen Vorfällen besser eingreifen dürfen. Eine weitere wichtige Konsequenz ist laut Ziercke, dass bei dem Erstkontakt mit einem Opfer von sexueller Gewalt immer zwei Berater dabei sein sollen.

Söller-Winkler soll neue Landesvorsitzende werden

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Stellt sich zur Wahl als neue Landesvorsitzende des Weißen Rings: Manuela Söller-Winkler.

Ex-Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler soll neue Landesvorsitzende des krisengeschüttelten Weißen Rings in Schleswig-Holstein werden. Die Juristin werde sich am 11. August in Rendsburg bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl stellen, teilte Ziercke mit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.06.2018 | 11:51 Uhr

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