Stand: 20.06.2019 16:17 Uhr

Weißer-Ring-Prozess: Aussage steht gegen Aussage

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Der ehemalige Leiter des Weißen Rings in Lübeck soll Frauen sexuell bedrängt haben.

Im Prozess gegen den früheren Lübecker Leiter der Opferschutzorganisation Weißer Ring haben am ersten Prozesstag das mutmaßliche Opfer und der Angeklagte ausgesagt. Die Frau erzählte am Donnerstag im Amtsgericht Lübeck, wie der ehemalige Leiter der Außenstelle des Weißen Rings in Lübeck in einem Beratungsgespräch plötzlich sein Geschlechtsteil entblößt habe. Nach ihrer Schilderung forderte der ehemalige Polizist die damals 38-Jährige auf, ihm Brüste und Intimbereich zu zeigen und ihn anzufassen. Danach habe sie dann das Büro verlassen und geweint.

Der Beschuldigte Detlef H. wirkte während der Verhandlung ruhig, schilderte die Situation anders. In dem Büro habe die Frau ihn vielmehr darum gebeten, ihr reiche Männer zu vermitteln, weil sie dringend Geld brauche. Sie sei auch bereit gewesen, als Escort-Dame zu arbeiten. Am Ende des ersten Verhandlungstages stand also Aussage gegen Aussage. Laut NDR Schleswig-Holstein suchte die mehrfache Mutter Hilfe, weil ihr Mann sie geschlagen und verlassen hat.

Nur ein Fall wird verhandelt

Für den Prozess hat das Amtsgericht vier Verhandlungstage angesetzt. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft in vier Fällen Anklage gegen den früheren Leiter der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings erhoben. Das Landgericht Lübeck hatte jedoch entschieden, nur den Vorwurf des Exhibitionismus zu verhandeln und das Amtsgericht Lübeck für zuständig erklärt. Der Prozessbeginn hatte sich nach Angaben des Gerichts verzögert, weil auf Antrag der Staatsanwaltschaft zunächst ein psychologisches Gutachten für die Hauptbelastungszeugin erstellt werden musste. Das Urteil ist für Mitte Juli geplant.

Ursprünglich hatten 29 Frauen dem heute 74-Jährigen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt und für Personalwechsel und Umstrukturierungen beim Weißen Ring gesorgt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.06.2019 | 17:00 Uhr

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