Stand: 13.04.2019 10:53 Uhr

Wegen Nachwuchsproblem: Erfde will Ärzte-Zentrum

Ländlichen Regionen droht in naher Zukunft ein Ärztemangel - 30 Prozent der Ärzte in Schleswig-Holstein gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. In der 2.000-Einwohner-Gemeinde Erfde im Kreis Schleswig-Flensburg verabschieden sich in den kommenden fünf Jahren beide Allgemeinmediziner. Wenige junge Ärzte wollen aufs Land und so haben sich die beiden Mediziner zusammen mit einem Kollegen aus einer Nachbargemeinde eine mögliche Lösung überlegt. Sie wollen sich zusammentun und ein Ärzte-Zentrum aufbauen.

Ähnliches Modell in Büsum erfolgreich

Die Idee: Die Gemeinde soll ihre Arzt-Sitze übernehmen und Mediziner anstellen. Dann haben sie die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten und ihr finanzielles Risiko zu minimieren. Volker-Werner Dolenga ist einer der Erfder Ärzte und berichtet, dass er als junger niedergelassener Arzt erst einmal finanziell in Vorleistung gehen musste. "Das wollen die jungen Herrschaften nicht mehr, das ist zu risikoreich", so Dolenga. Ein ähnliches Modell funktioniert in Büsum seit vier Jahren erfolgreich.

Spahn: Landarzt-Quote für Medizinstudenten

Um über das Problem der Erfder zu diskutieren, ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in den Ort gekommen. Der Politiker kommt selbst aus einem Dorf mit 4.000 Einwohnern. "Wir hatten damals einen Hausarzt und der hat aufgehört. Ich weiß, was das für einen Ort bedeutet", sagte er. Einer seiner Ansätze: Spahn schlägt vor, Medizinstudenten bevorzugt Studienplätze zu geben, wenn sie sich verpflichten, aufs Land zu gehen. Das ist Ländersache - in Nordrhein-Westfalen gibt es so eine Regelung bereits.

Rechtliche Probleme bei der Gründung von Ärztezentren

Die Gründung von kommunalen Ärztezentren wie in Büsum hält Spahn ebenfalls für sinnvoll. Kommunen haben aber noch rechtliche Probleme, wenn sie Praxen selbst betreiben wollen. Denn, so erklärt Erfdes Bürgermeister Thomas Klömmer (CDU), dafür müsse sich der Ort höher verschulden, als es die kommunalen Regelungen erlauben. "Die Frage, was die Gemeinde an Schulden machen darf oder nicht, ist ja eine landesrechtliche Regelung", erklärt Minister Spahn. "Im nächsten Monat werde ich mit dem Schleswig-Holsteinischen Landeskabinett über Gesundheitsversorgung auf dem Land reden, dann nehme ich das Thema mit", sagte er NDR Schleswig-Holstein.

Schwarze Zahlen in Büsum

Büsum schreibt mit so einem Ärztehaus inzwischen schwarze Zahlen. Hier ist es außerdem gelungen, junge Ärzte fest anzustellen. Deshalb setzen die Erfder Ärzte auf ihr Ärzte-Haus. Bisher ist das aber nur eine Idee.

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