Stand: 24.05.2020 06:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wegen Corona: Kleingärten erleben einen Boom

Die Sonne scheint und Torge Matthiessen steht gut gelaunt im T-Shirt in seinem Kleingarten in Kiel-Hassee. Vor genau drei Wochen hat er den Pachtvertrag unterschrieben und schon jetzt sieht der Garten aus, als hätte er in den vergangenen Tagen sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Torge stützt sich auf seinen Spaten und zeigt in verschiedene Ecken seines neuen Gartens: "Da hinten haben wir erst mal einen Kompost gebaut, dann davor einen Kartoffelacker angelegt und hier eine kleine Blumenwiese gesät." Mit "wir" meint er sich und seinen Kleingartennachbarn Jan Rindfleisch. Torge und Jan kennen sich noch aus Schulzeiten - beide kommen aus Brunsbüttel. Beide hat es nach Kiel verschlagen und nun sind sie Nachbarn.

Gemüse anbauen, Blumen gießen, grillen - immer was zu tun im Garten

Jan lässt ein paar Bohnen in Torges Beet gleich hinter dem Kartoffelacker verschwinden, Torge kommentiert: "Wir haben jetzt im Grunde zwei Gärten. In meinem bauen wir Gemüse an und in Jans chillen wir, das ist der Lustgarten." Er lacht. Jan hat den Garten schon länger, es gibt einen kleinen Teich, viele bunte Blumen und eine kleine Terrasse mit Grill. "Außerdem haben wir eine Menge Rote Bete, Knoblauch, Mangold und Tomaten. Wenn alles angeht, brauchen wir viele Freunde, die zum Essen kommen." Die beiden haben in den letzten Wochen viel Zeit hier verbracht. Torge meint: "Corona haben wir irgendwie ganz anders erlebt. Wir waren viel hier. Haben lange draußen gesessen - zu zweit halt. Es war einfach nicht so trostlos wie in der leeren Stadt."

Deutlich mehr Anfragen seit Corona

Torge hatte schon lange überlegt, einen Kleingarten zu pachten. Als die Parzelle neben Jan frei wurde, war die Sache dann klar. Wie Torge geht es in diesem Frühling vielen. In Neumünster berichtet der Kreisverein von 40 neuen Pachtverträgen seit Corona. Sonst, so der Kreisvorsitzende Hansheinrich Gräfe, sind es in der gleichen Zeit zehn. "Hauptsächlich sind es Familien mit Kindern, die einen Garten wollen. Klar, damit die Kinder raus können." Gräfe findet es toll, dass das Interesse im Moment so groß ist. Es werden sogar Parzellen vermietet, die sonst eigentlich nicht vergeben werden würden, weil sie in einem nicht so guten Zustand sind.

Vor allem Studenten und junge Familien kommen auf den Garten

Andererseits meint Gräfe: "Wir hoffen, dass das Interesse der neuen Pächter anhält - auch dann noch, wenn Corona vorbei ist und wieder verreist werden kann." Ähnliche Gedanken gehen seinem Kleingarten-Kollegen in Dithmarschen durch den Kopf. Johann Eigner, Vorsitzender des Kreisverbands Dithmarschen, erklärt, in Büsum, Wesselburen, Meldorf und Brunsbüttel sei alles ausgebucht. "Viele junge Leute sind das, die nun einen Platz im Grünen wollen. Das ist toll, wir waren sehr überaltert." Eigner erklärt: "Gerade für Familien ist so ein Garten natürlich ideal. Alles, was man anbaut, ist Bio. Wir haben hier keine Pestizide und die Kinder sind an der Luft."

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Flensburg hat gar Anfragen von Berlinern

Die Anfragen kommen von weit her, aber außer in Brunsbüttel, wo auch Hamburger einen Garten pachten dürfen, vergeben die Dithmarscher nur an Ortsansässige. Das machen die Flensburger genauso. Dort trudeln aktuell sogar Anfragen aus Berlin ein. "Aber das geht natürlich nicht," sagt Steffen Schümann, der Vorsitzende der Gartenfreunde Flensburg. Die Anfragen haben sich verdoppelt. Aber ein Kleingarten ist nicht als Zweitwohnsitz gedacht, deswegen müssen Interessenten von zu weit her abgelehnt werden. "Trotzdem haben wir bestimmt so 50 Gärten in letzter Zeit vergeben - das ist eine ganze Menge. Vor allem an junge Leute, Studenten und so. Die wollen einen Chill- und Grill-Garten. Das ist für uns in Ordnung, so lange der Garten einigermaßen ins Gesamtbild passt."

In den kleinen Gärten ist Platz für große Projekte

So einen Chill- und Grill-Garten haben Torge und Jan zwar auch. Aber die beiden legen auch kräftig Hand an und haben weitere große Pläne. Torge will noch einen Pizzaofen mauern und Jan will seine Hütte erneuern: "Die ist richtig rott, das Holz ist durch. Ich will das Ding eigentlich einreißen." Steine für ein neues Fundament hat er schon. Torge steht neben ihm und schaut sich das Häuschen an: "Ich würde mir spontan zutrauen, dass wir das hinkriegen." Zwei Zimmer sollen es werden, führt der Kleingartenarchitekt und Bauleiter Jan aus: "Dann hat man einen Raum, wo man auch mal sitzen kann, wenn es regnet, und einen, wo so eine kleine Küche und das ganze Zeug drin ist."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.05.2020 | 08:00 Uhr

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