Stand: 05.06.2018 11:29 Uhr

Wechsel von CDU zur SPD - in Schwarzenbek brodelt es

Für die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung von Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) ist es ein Schlag ins Kontor: Die Fraktionsvorsitzende Heike Wladow hat ihren Posten geräumt - und angekündigt, in der Wahlperiode 2018 bis 2023 für die SPD-Fraktion Politik zu machen. Dadurch verschieben sich die Mehrheitsverhältnisse im Kommunalparlament der 16.500-Einwohner-Stadt. Stärkste Kraft sind nicht mehr die Christ-, sondern die Sozialdemokraten. Ihren Schritt begründete Wladow unter anderem damit, dass die CDU sie nicht für das Amt der Bürgervorsteherin vorgeschlagen habe. In diesem Zusammenhang habe sie "leider erkennen müssen, dass Frauen bei einigen Männern auch heute noch - 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts - keinen gleichwertigen Status haben".

Gewünschter Posten für Wladow rückt näher

Nun hat die SPD bei der Fraktionssitzung am Montag beschlossen: Heike Wladow soll neue Bürgervorsteherin werden. Die Sozialdemokraten wollen sie bei der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag vorschlagen. Das hat der Fraktionschef der SPD, Maik Picker, NDR 1 Welle Nord bestätigt. Wladow selbst hatte bereits angekündigt, für den Posten zur Verfügung zu stehen. Der Vorschlag wird in der Versammlung wohl auf Widerstand stoßen. Denn die CDU hat klargestellt, dass sie Wladow nicht unterstützen will.

"100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts"

Die CDU hat an dem Wechsel Heike Wladows zur politischen Konkurrenz und den damit geänderten Mehrheitsverhältnissen zu knabbern. Doch es sind vor allem die Nebengeräusche von Wladows Entscheidung, die für Aufregung sorgen. Frauenfeindlichkeit in der - bislang - neun Mitglieder starken Schwarzenbeker CDU-Fraktion? Der CDU-Ortsvorsitzende Hans-Heino Meier reagierte im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord verärgert und wies den Vorwurf Wladows strikt zurück. Der Austritt Wladows habe ausschließlich mit einem internen Streit um den Posten des Bürgervorstehers zu tun.

Wladow freut sich auf "aufgeschlossene" SPD-Fraktion

Wladow selbst ging in ihrer Begründung nicht ins Detail. Sie sprach lediglich von den "Ereignissen der letzten Wochen", die einen massiven Eingriff in ihr Privatleben mit sich gebracht hätten: "Als Frau kann ich diese Handlungsweise auf keinen Fall akzeptieren." Sie freue sich jetzt "auf die Arbeit in einer jungen, dynamischen und aufgeschlossenen SPD-Fraktion", kündigte Wladow an.

Kommunalpolitikerinnen prangern Männerbünde an

Im Vorfeld der Kommunalwahl in Schleswig-Holstein Anfang Mai hatten zwei Bürgermeisterinnen aus dem Kreis Segeberg aus dem Politik-Nähkästchen geplaudert und zu viel Gegenwind für Frauen in der Kommunalpolitik beklagt. Dabei prangerten sie explizit die Praxis der Hinterzimmer-Absprachen an. Frauen stünden den Männerbünden oft machtlos gegenüber, wenn sie sich nicht genauso verhielten, sagte Wiebke Bock (Kommunale Wählergemeinschaft), inzwischen Ex-Bürgermeisterin von Blunk.

Weitere Informationen

Frauen in der Kommunalpolitik: Zu viel Gegenwind?

Die Bürgermeisterinnen von Groß Rönnau und Blunk haben schlechte Erfahrungen mit Hinterzimmer-Absprachen gemacht. Und mit dem Verhalten von Männern. Bei NDR.de plaudern die Frauen aus dem Nähkästchen. (04.05.2018) mehr

Die Kommunalwahl 2018 in Schleswig-Holstein

Die Schleswig-Holsteiner haben die Kommunalparlamente gewählt. NDR.de bietet einen Überblick: viele Ergebnisse aus rund 200 Gemeinden, Reaktionen im Video und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.06.2018 | 10:30 Uhr

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