Stand: 14.06.2018 13:50 Uhr

Waschbären und Co. werden zur Plage in SH

Die Ausbreitung von Marderhunden, Minken und Waschbären soll per EU-Verordnung eigentlich eingedämmt werden - durch Schutzmaßnahmen und vermehrte Jagd. Die Tiere sind gebietsfremd, kamen durch Pelzfarmen nach Deutschland und vermehrten sich rasant. Und hier liegt das Problem. Allein 160 Waschbären - knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahr - wurden vergangene Jagdsaison erlegt. Doch die Tiere wagen sich inzwischen auch immer wieder in Wohnhäuser vor.

Paradiesische Zustände für die Tiere

Hartmuth Egdmann ist Stadtjäger in Lübeck und erklärt: "Wenn die Waschbären so paradiesische Zustände finden, wie in Isolierungen in Dachstühlen, die muckelig warm sind, dann geht es für die Tiere kaum besser." Aber auch die Gärten sind zu Wohnorten für die Kleinbären geworden. "So toll es aussieht - die Rankgestelle der Blumen sind hervorragende Kletterhilfen für die Waschbären. Das sind Kulturfolger und die gehen in die Häuser rein", so der Jäger.

Jäger sehen Artenvielfalt bedroht

Auch 5.000 Marderhunde wurden vergangene Saison erlegt - knapp 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Deutsche Jagdverband fordert, die gebietsfremden Tiere auch in Schutzgebieten erlegen zu dürfen, damit sie auch wirklich vermehrt gejagt werden - so wie es die EU vorschreibt. Zoologe Peter Borkenhagen sieht die Notwendigkeit in Schutzgebieten allerdings nicht: "Gerade bei Waschbären gibt es Abwehrmechanismen. Hier geht es um Nistbäume, die man mit glatten Manschetten vor dem Erklettern schützen kann." Doch die Jäger fürchten auch um die Artenvielfalt. Denn Marderhunde und Waschbären haben das gleiche Beuteschema wie die heimischen Füchse: Brutvögel. Das sind aber zu viele Räuber mit der gleichen Nahrungsquelle.

Fallen sind vor allem eine Kostenfrage

Während das Jagen im Wald noch recht einfach ist, wird es mitten im Stadtgebiet schwieriger. Eine Alternative sind Fallen. Doch das ist gesetzlich klar geregelt. Es bedarf eines Jagdscheins, eines extra Fallenscheins, des richtigen Modells und einer Betreuungsperson. Für den Stadtjäger ist damit klar: "Wenn ich 14 Tage lang zwei Mal am Tag zum Kontrollieren komme, ist das eine Kostenfrage." Geruchsmittel, abgesägte Äste oder Lasergeräte helfen da nur wenig.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.06.2018 | 19:30 Uhr

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