Stand: 11.07.2019 05:00 Uhr

Waschbär-Schutz trotz Jagderlaubnis

Die Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop bei Pinneberg kümmert sich um verwaiste und verletzte Waschbären. Die Tiere gelten laut EU-Verordnung als invasive Art, das heißt sie stören das heimische Ökosystem. Noch bedrohen sie aber keine ansässigen Tierarten. Katharina Erdmann von der Wildtierstation weiß: Die Tiere sind richtige Akrobaten. Und das ist das Problem. Sie kommen an Nester, an die sie nicht kommen sollten, und nehmen sich die Vogeleier oder Küken. "Das wird ihnen ja vorgeworfen, dass sie sozusagen auch selten gewordene Vogelarten oder andere Amphibien und Reptilien fressen und dadurch die Population noch mehr schwächen", sagt die Wildtierpflegerin.

Waschbär in einem Gehege

Waschbären werden zu Problembären

Schleswig-Holstein Magazin -

Der Waschbär gilt in Deutschland als invasive Art. Er stört das heimische Ökosystem. Da Waschbären keine natürlichen Feinde haben, breiten sie sich aus und werden zum Problem für Wildtierstationen.

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Pflegerin: Zu wenig Platz für Neuzugänge

Waschbären sind Allesfresser und haben in Schleswig-Holstein keine natürlichen Feinde. Seit 1997 vermerken Jäger Sichtungen im Wildtierkataster. In den ersten Jahren nur vereinzelt, inzwischen ist der Kleinbär fast überall im Land heimisch, nur die kreisfreien Städte Flensburg und Neumünster sind laut Wildtierkataster Waschbär-frei. Da aktuell keine heimische Tierart lokal bedroht sei, werden die Bären aber nicht gezielt gejagt.

Generell dürfen Jäger sie töten. Viele wollen das aber nicht. Wenn sie verwaiste Jungtiere finden, wenden sie sich an Katharina Erdmann. Auch erwachsene Tiere werden in der Wildtierstation aufgenommen. Im großen Gehege ist Platz für acht ausgewachsene Exemplare - zu wenig für die 30 bis 40 Waschbären, auf die die Wildtierstation jedes Jahr aufmerksam gemacht wird.

Auswildern verboten - Abnehmer rar

Die Wildtierstation plant daher ein neues Gehege. Denn es ist extrem schwer, die Waschbären wieder loszuwerden. Auswildern ist verboten. Wild- und Tierparks sind potenzielle Abnehmer, sie wollen aber fast ausschließlich Jungtiere. Bis zu 20 Jahre alt werden die Tiere in Gefangenschaft. Und wer sie halten will, muss laut zuständiger Oberer Naturschutzbehörde für die Kosten aufkommen. Dazu zählt auch die Pflicht-Kastration. "Wenn wir keinen Tierarzt finden, der uns da ein bisschen entgegenkommt, sind das mehrere hundert Euro pro Tier", berichtet Erdmann. Die medizinischen Behandlungen werden hauptsächlich aus Spenden finanziert.

Wäschbären werden nicht massiv bejagt

Waschbären könne man nicht mehr aus dem Land vertreiben, sagt der Landesjagdverband auf eine Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. Seit drei Jahren fordert die EU, die Population einzudämmen. Um die Ausbreitung der invasiven Art zu verhindern, benötigt es klare Richtlinien vom Land. Doch bisher fehle eine praktikable und effiziente Lösung, bemängelt der Jagdverband.

Erdmann ist auch Landesbeauftragte für Tierschutz in Schleswig Holstein und begrüßt die Entscheidung des Landes, Waschbären nicht massiv zu bejagen. Ursprünglich lebten die Bären in Nordamerika. Sie sind in den 1950er-Jahren zur Pelztierzucht nach Europa gebracht worden. Einige Tiere sind ausgebüchst oder wurden später einfach freigelassen. In der Jagdsaison 2017/18 wurden in Schleswig-Holstein 243 Tiere getötet.

Argumentation des Landes: Kein öffentliches Interesse an Waschbär-Haltung

Trotzdem leben die Tiere inzwischen in fast ganz Schleswig-Holstein. Die Wildtierstation wünscht sich für ihre Versorgung in Gefangenschaft finanzielle Hilfe vom Land. Die wird es jedoch nicht geben. Das Land erlaube zwar, entgegen der EU-Verordnung, die Haltung von Waschbären unter bestimmten Voraussetzungen. Dennoch bestehe daran kein öffentliches Interesse des Naturschutzes, deshalb sei auch keine finanzielle Förderung vorgesehen, argumentiert das Land. Wie lange es ohne öffentliche Geldspritzen in Klein Offenseth-Sparrieshoop noch weitergeht, ist unklar. Die Tierschützer kommen mit der Versorgung der Waschbären langsam an ihre Grenzen.

Weitere Informationen

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14.06.2018 19:30 Uhr

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.07.2019 | 19:30 Uhr

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