Stand: 28.11.2018 18:17 Uhr

Was wird aus der HSH Nordbank?

von Constantin Gill

Die HSH Nordbank als gemeinsame Landesbank von Schleswig-Holstein und Hamburg ist Geschichte. Und bald wird sie auch anders heißen. Aber die Sorge um die Bank wird auch unter neuem Namen wohl so schnell nicht aufhören.

Philipp Nimmermann, Staatssekretär, Finanzministerium

HSH Nordbank endgültig verkauft

Schleswig-Holstein Magazin -

Der Verkauf der HSH Nordbank ist jetzt abgeschlossen, die sogenannte Closing-Vereinbarung wurde unterzeichnet. Die Bank geht für eine Milliarde Euro an US-amerikanische Investmentfonds.

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Schon der Name "Hamburg Commercial Bank" deutet an, dass die Hansestadt das Zentrum der Bank sein dürfte. Daher ist die Sorge groß, dass gerade am Standort Kiel Stellen wegfallen. Gewerkschaften rechnen damit, dass von derzeit knapp 600 Stellen am Ende nur 200 bleiben. Vorstandschef Stefan Ermisch sagte dem NDR Schleswig-Holstein, man werde im Dezember Zahlen bekannt geben.

Finanzwissenschaftler: "Kiel wird nur noch Filiale sein"

Eine Standortgarantie war keine Bedingung für den Verkauf der HSH Nordbank. Ermisch sagt aber: Den Standort Kiel wolle man erhalten, ihn aber "so ausrichten, dass es ökonomisch sinnvoll ist."

Experten überrascht das nicht: "Das war abzusehen, denn ich glaube nicht, dass es für so eine Bank Sinn macht, zwei gleichwertige Standorte aufrechtzuerhalten", sagt der Kieler Finanzwissenschaftler Professor Peter Nippel. "Es wird eine Zentrale geben, die wird mutmaßlich in Hamburg sein, und Kiel wird nur noch eine kleine Filiale sein."

Länder reden nicht mehr mit

Wirtschaftspolitisch gesehen wird die ehemalige Landesbank also noch eine Rolle spielen und die Politiker im Kieler Landtag beschäftigen. Auch wenn sie nicht mehr mitreden dürfen: "Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass eine Bank, die verkauft ist, von anderen gesteuert wird und nicht mehr von uns", sagt Finanzministerin Monika Heinold.

Das Land ist nun nicht mehr Miteigentümer der Bank. Auch im Aufsichtsrat ist Schleswig-Holstein nicht mehr vertreten. An die Stelle der Länder tritt das Konsortium um den Finanzinvestor Cerberus.

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Die HSH Nordbank ist Geschichte

Der Verkauf der HSH Nordbank ist endgültig abgeschlossen. In einem Hamburger Notariat wurde die sogenannte Closing-Vereinbarung unterzeichnet. Die Bank macht nun unter neuem Namen weiter. mehr

Bank ist zuversichtlich

Aber wird die Hamburg Commercial Bank sich in Zukunft auf dem Markt behaupten können? Sie war in der Finanz- und Schifffahrtskrise in Schieflage geraten und brauchte Milliardengarantien der Länder.

Jetzt sieht Stefan Ermisch, der HSH-Vorstandschef, die Bank für die Zukunft gerüstet: "Wir haben mit der Privatisierung geschafft, dass wir sämtliche Altlasten bereinigt und eine tolle Kapitalausstattung haben." Geld verdienen will die Bank als mittelständische Geschäftsbank - also etwa, indem sie Kredite an Unternehmen der Hafenwirtschaft gibt: "Wir sind jetzt dabei, entlang unserer Kernkompetenzen unser Geschäft neu aufzubauen und weiter zu entwickeln. Da werden wir Erfolg haben."

Die EU Kommission, die den Verkauf genehmigte, ist zuversichtlich: "Auf der Grundlage des Geschäftsplans des neuen privaten Eigentümers kann die HSH zu einem rentablen Marktteilnehmer werden, der die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland auch weiterhin unterstützt", heißt es in der Mitteilung aus Brüssel.

Milliardenlasten für die Länder

Finanzwissenschaftler Nippel ist eher skeptisch. Die Bank habe kein Alleinstellungsmerkmal, sagt er. "Sie muss sich also bewähren, oder sie muss mit anderen Banken zusammenarbeiten, vielleicht ist auch langfristig eine Fusion mit einer anderen Bank angedacht."

Für den Moment ist klar: Die Länder werden - auch ohne direkt beteiligt zu sein - noch lange an den Folgen des Finanzdesasters um die HSH Nordbank zu tragen haben.

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EU-Kommission genehmigt Verkauf der HSH Nordbank

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.11.2018 | 18:00 Uhr

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