Stand: 28.11.2017 09:28 Uhr

Was macht eigentlich der Weiße Ring?

Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Raubüberfälle, Körperverletzung - all das sind Straftaten, die Opfer völlig aus der Bahn werfen können. Unter den Folgen leiden manche ihr Leben lang. Doch außer ihnen selbst weiß kaum jemand um die enorme psychische Belastung, denn in der Öffentlichkeit stehen meist die Täter im Vordergrund. Deshalb wurde vor 40 Jahren der Weiße Ring gegründet - er will den Opfern eine Stimme geben und helfen. Fragen und Antworten zur Arbeit des Weißen Rings:

Was ist der Weiße Ring?

Der Weiße Ring ist als einzige Organisation in Deutschland damit beschäftigt, bundesweit Opfern von Straftaten zu helfen - und zwar kostenlos. Gegründet wurde der Weiße Ring am 24. September 1976 in Mainz - unter anderen von dem früheren Fernsehmoderator Eduard Zimmermann. Die Grundidee: 'Wenn nach Straftaten alle den Täter jagen, wer bleibt dann beim Opfer?' Als gemeinnütziger Verein hat der Weiße Ring rund 50.000 Mitglieder und mehr als 3.000 ehrenamtliche Helfer. Es gibt 420 Anlaufstellen in Kreisen und kreisfreien Städten.

Wie hilft der Weiße Ring Opfern von Straftaten?

Für die Helfer geht es vor allem darum, den Opfern von Straftaten menschlich beizustehen, sie zu betreuen und zu beraten. Kernpunkt sind persönliche Gespräche, Zuhören, Verständnis. Betreuer des Weißen Rings begleiten die Opfer auch zu Polizei, Staatsanwaltschaft oder später auch zu einem Prozess. Außerdem vermitteln die Helfer Kontakte zu anderen Organisationen und Spezialisten, zum Beispiel zu Therapeuten oder Rechtsanwälten. Dafür können Opfer auch sogenannte Hilfeschecks in Anspruch nehmen. Eine finanzielle Überbrückungshilfe ist ebenfalls möglich, sollte ein Opfer durch eine Straftat in eine finanzielle Notlage geraten. Außerdem helfen die Ehrenamtlichen dabei, sich an staatliche Stellen zu wenden, um dort eine finanzielle Unterstützung zu beantragen. Grundsätzlich begleitet der Weiße Ring die Opfer so lange, wie sie Hilfe brauchen - der Kontakt zwischen Helfern und Opfer kann jahrelang bestehen.

Wie genau können Opfer den Weißen Ring kontaktieren?

Der erste Impuls, sich an den Weißen Ring zu wenden, kommt selten von den Opfern selbst - häufig vermitteln Freunde, die Polizei oder die Staatsanwaltschaft. Wer bei einer der Außenstellen anruft, kann zunächst Grundsätzliches klären - zum Beispiel entscheiden die Opfer selbst, ob sie lieber mit einem Mann oder einer Frau sprechen möchten. Daraufhin nennen die Mitarbeiter der Außenstelle einen Betreuer, der sich anschließend selbst mit dem Opfer in Verbindung setzt. Zwischen dem ersten Anruf beim Weißen Ring und dem ersten Kontakt mit dem späteren Betreuer vergehen oft keine 24 Stunden. Dann folgt ein persönliches Treffen - wie viele weitere folgen, hängt von dem Bedarf im konkreten Fall ab. Zudem gibt es seit 2016 eine Online-Beratung über die Homepage des Weißen Rings, hier können sich Betroffene melden. Ihre Daten werden verschlüsselt, innerhalb von 72 Stunden bekommen sie eine Antwort. Schneller geht es allerdings am Telefon oder in den 420 Anlaufstellen vor Ort.

Um wie viele Opfer geht es?

Im Jahr 2016 haben die Helfer des Weißen Ringes deutschlandweit rund 9.940 Opfern krimineller Gewalt geholfen. Übrigens suchen deutlich mehr Frauen als Männer Hilfe beim Weißen Ring.

Mit welchen Straftaten hat der Weiße Ring am häufigsten zu tun?

Grundsätzlich können sich alle Menschen helfen lassen, die Opfer einer vorsätzlichen Straftat geworden sind.

Wo gibt es Ansprechpartner?

Der Weiße Ring hat bundesweit Außenstellen in allen Kreisen und den großen Städten. Kontakte zu den ehrenamtlichen Beratern hat der Landesverband des Weißen Rings hier in einer Übersicht zusammengestellt. Außerdem gibt es eine EU-weit einheitliche Notrufnummer für Opfer von Straftaten - unter 116 006 sind die Mitarbeiter des Weißen Rings täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar. Die Online-Beratung ist 24 Stunden erreichbar und antwortet in der Regel innerhalb von 72 Stunden auf Anfragen.

Wer sind die Helfer?

Mehr als 3.200 Menschen engagieren sich bundesweit als Helfer beim Weißen Ring. Sie arbeiten ehrenamtlich und werden als Lotsen und Berater ausgebildet, damit sie Opfern zielgenau helfen können. In die Hilfe bringen die Betreuer aber auch ihre eigene Lebens- und Berufserfahrung ein. Viele der Helfer haben früher selbst im Bereich der Justiz und Strafverfolgung gearbeitet - ein großer Teil der Ehrenamtlichen sind pensionierte Kriminalbeamte. "Die Helfer leisten tätige Nächstenliebe und übernehmen - ehrenamtlich, spendenfinanziert und bemerkenswert professionell - eine unverzichtbare Rolle. Sie sind Säulen unserer Bürgergesellschaft", schreib der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck in seinem Glückwunschschreiben zum 40-jährigen Bestehen des Weißen Rings.

Wie wird die Arbeit finanziert?

Der Verein ist unabhängig von staatlichen Mitteln und finanziert sich hauptsächlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 2,50 Euro - für Jugendliche und Studenten bei 1,25 Euro. Außerdem verbucht der Weiße Ring - wie andere Organisationen - Einnahmen aus Geldbußen, die verurteilte Täter zahlen mussten. Viele prominente Unterstützer werben für den Weißen Ring, um ihn bekannter zu machen - unter ihnen sind der Schauspieler Til Schweiger, die Ex-Boxerin Regina Halmich und der Musiker Heinz-Rudolf Kunze.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 2 | 28.11.2017 | 10:10 Uhr

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