Stand: 14.12.2017 06:00 Uhr

Was ist die HSH Nordbank wert?

Von Stefan Eilts und Patrik Baab

Noch bleiben ein paar Wochen Zeit: Bis Ende Februar verhandeln die Bundesländer mit den verbliebenen Interessenten für die HSH Nordbank. Bis dahin muss ein Vertrag über den Verkauf der gemeinsamen Landesbank unterschrieben sein - sonst wird die Bank abgewickelt. So hatte es die EU-Kommission festgelegt. Aber was ist die Bank wert? In ihrem Bericht zum Jahresabschluss 2016 bestätigen die Experten der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG den Unternehmenswert der Bank. Der Bericht liegt NDR Schleswig-Holstein in Auszügen vor. Demnach bezifferten sie den Wert der HSH für einen Verkaufsprozess mit 643 Millionen Euro. Ein solcher Preis sei nicht bindend, aber möglicherweise ein guter Fingerzeig für Verkaufsverhandlungen, urteilen Experten. Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sagte, sie wolle sich an Spekulationen nicht beteiligen. Sie freue sich aber über jeden Euro, der im Zuge des Verkaufs den Schaden für das Land verringert.

Ein Blatt mit der Notiz "HSH"

Wert der HSH wird auf 643 Millionen geschätzt

Schleswig-Holstein Magazin -

Bis Ende Februar muss ein Käufer für die angeschlagene HSH Nordbank gefunden sein. Wirtschaftsprüfer haben den Wert der Landesbank mit 643 Millionen Euro beziffert.

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Ein Unternehmenswert von 643 Millionen Euro?

Was eine Bank wert ist, ist eine Rechnung mit vielen Variablen: Welche Kredite hat die Bank vergeben? In welchen Geschäftsbereichen ist sie tätig? Welche Risiken und Sicherheiten bestehen bei den Krediten? Und wie bemisst man das Know-How der Angestellten? Die Wirtschaftsprüfer errechneten diesen Wert für den Stichtag Silvester 2016 - und kamen auf 643 Millionen Euro.

Nippel: Wertgutachten eine gute Orientierungshilfe

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"Verluste bis 18 Milliarden Euro sind realistisch"

Prof. Peter Nippel von der Uni Kiel äußert sich im Interview mit NDR.de zum Verkauf der HSH Nordbank. Nach seinen Worten könnte der Steuerzahler am Ende auf bis zu 18 Milliarden Euro sitzen bleiben. mehr

"Das ist ein Marktwert, den man berechnet und bei dem man davon ausgeht, dass er in einem Verkaufsprozess fairerweise gezahlt werden könnte", analysiert der Finanzexperte Peter Nippel von der Uni Kiel. Am Ende sei der Preis Verhandlungssache zwischen Käufer und Verkäufer – aber ein Wertgutachten sei für solche Verhandlungen eine gute Orientierungshilfe. Die Verhandlungsposition für die beiden Bundesländer sei eher schlecht, weil sie durch den Beschluss der EU spätestens bis zum Stichtag 28. Februar 2018 verkaufen müssen. Der Wirtschaftsbranchendienst Bloomberg hatte zuletzt berichtet, dass es in den Verhandlungen mit den potenziellen Käufern um einen Kaufpreis von etwa 200 Millionen Euro gehe. Das wäre weniger als der im Gutachten errechnete Wert.

Finanzministerin Heinold reagiert zurückhaltend

Schleswig-Holsteins Finanzministerin wollte sich zu dem Wertgutachten nicht konkret äußern. Wichtig sei, dass am Ende ein Bieter gefunden werde, der etwas zahlt für die Bank. "Dieser gezahlte Betrag ist dann der Marktwert", erklärte Heinold: "Da helfen theoretische Berechnungen nicht richtig weiter, wenn keiner bereit wäre, einen solchen Preis zu zahlen." Sie hoffe und sei zuversichtlich, dass der Verkauf gelingt.

Verkaufspreis nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

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Die beiden Länder Hamburg und Schleswig-Holstein sind seit Jahren stolz auf ihre gemeinsame Landesbank. Zugegeben: es gab auch mal ein paar Probleme. Aber insgesamt fährt die HSH gut. Video (02:13 min)

Der Kaufpreis ist in den Verhandlungen wohl auch nicht das entscheidende Kriterium, urteilt der Hamburger Bankenexperte Norbert Dieckmann von der EBC-Hochschule. Das wichtigste aus EU-Sicht sei, dass der Käufer ein tragfähiges Geschäftsmodell für die HSH Nordbank präsentieren kann - und die Bank nicht erneut zum Stützungsfall wird. "Ich denke, die Fortführungsperspektive erscheint mir viel wichtiger als ein dreistelliger Millionenbetrag als Kaufpreis", meinte Dieckmann. "Bitte bedenken Sie: Die gesamten Verluste der Bundesländer summieren sich wohl auf 16 bis 18 Milliarden Euro. Was spielt es da für eine Rolle, ob man 200 oder 300 Millionen für die Bank kriegt?" Der Verkaufspreis ist für Dieckmann deshalb nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Belastung für die Steuerzahler hoch

Sein Kieler Kollege Nippel hat in einem Fachaufsatz minutiös ausgerechnet, welcher Belastung durch die HSH Nordbank für die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein entstanden ist. Sein Ergebnis: Schon jetzt steht ein Schaden von knapp elf Milliarden Euro sicher fest - am Ende könnten es auch die genannten 16 bis 18 Milliarden werden.

So setzt sich der Schaden zusammen

  • Kosten durch die Garantie

    Die beiden Bundesländer haben bei der HSH-Rettung 2009 eine Zehn-Milliarden-Garantie für mögliche Verluste in der Bank ausgesprochen. Diese Verluste sind eingetreten: Die HSH hat angekündigt, dass die Länder die komplette Garantie zahlen müssen. Diesen Ausgaben stehen zwar auch Einnahmen gegenüber, denn die HSH hat über die Jahre eine Art Versicherungsgebühr für die Garantie gezahlt. Unterm Strich bleiben aber Kosten für die Garantie in Höhe von 6,35 Milliarden.

  • Verluste durch Eigenkapitalspritzen

    Ebenfalls 2009 und dann nochmals 2011 haben die beiden Länder Eigenkapital in die HSH gesteckt, um sie in der Krise zu stärken - insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Dieses Geld ist komplett verloren, rechnet Nippel vor.

  • Verluste mit faulen Schiffskrediten

    2016 haben die Länder noch einmal Geld in die Hand genommen, um milliardenschwere faule Schiffskredite aus der HSH herauszukaufen. So sollte die Bank für den anstehenden Verkauf "hübsch gemacht" werden. Dieses Investment war bislang ebenfalls ein Minusgeschäft: Die Kredite haben 450 Millionen Euro im Wert verloren.

  • Zinsen in Schattenhaushalten

    Um die Landeshaushalte nicht zu belasten, liefen die gerade genannten Transaktionen über zwei extra geschaffene Zweckgesellschaften, sogenannte Anstalten öffentlichen Rechts. Sie mussten Milliarden-Kredite aufnehmen, um die Rettungsmaßnahmen finanzieren zu können. Dafür wurden Zinsen fällig. Zusammen mit den Verwaltungskosten für den Betrieb der beiden Zweckgesellschaften kommt Peter Nippel auf 676 Millionen Euro.

  • Feststehender Gesamtschaden

    Rechnet man all diese Punkte zusammen - die Verluste durch die Ländergarantie, die Eigenkapitalspritzen, die faulen Schiffskredite und die Zinsen - kommt man Nippel zufolge auf einen Schaden von 10,9 Milliarden Euro für die beiden Länder, der bereits heute sicher eingetreten ist.

  • Weitere Risiken

    Dazu kommen aber weitere Probleme: Wie entwickeln sich zum Beispiel die faulen Schiffskredite weiter, die die Länder übernommen haben? Hier sind weitere Verluste möglich. Darüber hinaus ist unklar, ob und wenn ja zu welchen Bedingungen der Verkauf der Bank gelingen kann. Denn der Investor müsste weitere faule Kredite, die noch in der Bank liegen, übernehmen. All diese Risiken zusammengerechnet, kann der Schaden für den Steuerzahler Peter Nippel zufolge auch auf 16 bis 18 Milliarden Euro ansteigen.

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Dreistelliger Millionenbetrag an Zinsen

Für Finanzministerin Heinold steht aber fest: "Jeder Euro, der reinkommt durch den Verkauf wäre ein guter Euro, weil er zumindest ein bisschen helfen würde, die hohe Altverpflichtung abzuzahlen." Denn, so bitter das auch sei, so Heinold, "Schleswig-Holstein wird künftig jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Zinsen zahlen müssen für Kredite, die im Zusammenhang mit der HSH-Rettung aufgenommen wurden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.12.2017 | 07:00 Uhr

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