Stand: 24.12.2019 06:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Weihnachten: Darum macht uns Schenken glücklich

von Sabine Alsleben

Eine Frau zieht einen Koffer mit Geschenken hinter sich her © fotolia.com Foto: Dmitry Lobanov
Geschenke freuen den Beschenkten, machen den Schenkenden aber mindestens genauso glücklich.

Ich liebe Schenken - ganz besonders auch zu Weihnachten. Ich führe monatelang akribisch Listen mit Geschenkideen für meine Liebsten. Klar, auch mich verschont der Weihnachtsstress nicht. Woher bekomme ich was, muss Onlineshopping wirklich sein? Schaffe ich es in die Läden - aber ich habe doch keine Zeit. Sie kennen das sicher. Aber wenn der Heilige Abend dann da ist, die Geschenke ausgepackt werden und die Augen der Kinder leuchten, man die Freude der Erwachsenen sieht - ja, dann macht sie sich breit: die wohlige Wärme ums Herz.

Studie: "Schenken aktiviert das wohlige Glücksgefühl"

Auch wenn das jetzt sehr - vielleicht zu sehr - romantisiert klingt, auch Sie kennen dieses Gefühl. Da bin ich mir ganz sicher. Tatsächlich gibt es dafür einen Fachbegriff "warm glow", das mit "wohligem Gefühl" übersetzt wird und vor zwei Jahren im Rahmen einer Studie untersucht wurde. Forscher der Universitäten Lübeck, Zürich und der Feinberg School of Medicine in Chicago haben herausgefunden, dass großzügiges Verhalten und Glücksgefühle in unserem Gehirn miteinander verknüpft sind. Dafür wurde den Probanden quasi ins Hirn geschaut - und bei den großzügigen Probanden war ein bestimmtes Gehirnareal aktiv, dass für dieses wohlige Glücksgefühl sorgt.

Regelmäßiges Schenken birgt Gefahren

Also kann ich mit Großzügigkeit oder Schenken mein eigenes Glückes Schmied sein? "Ja", sagt Professor Dr. Uwe Jensen von der Uni Kiel. Er beschäftigt sich schon lange mit den Themen Glück und Zufriedenheit. "Schenken macht den Schenkenden zufriedener und den Beschenkten in dem Moment auch glücklich. Der Schenkende hat das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben." Aber Jensen warnt auch, dass es für den Beschenkten durchaus negative Auswirkungen haben kann. "Wenn jemand regelmäßig finanziell unterstützt wird - zum Beispiel von der Oma - dann kann da schon eine gewisse Abhängigkeit entstehen, die für beide Seiten schwierig sein kann."

Psychotherapeut: "Hirn hat sich schon vor Jahrtausenden angepasst"

Michael Zorawski sitzt auf einem braunen Sessel. © NDR Foto: Sabine Alsleben
Vor langer Zeit schon hat der Mensch begriffen, dass es sinnvoll ist, anderen Menschen etwas Gutes zu tun, sagt Verhaltenstherapeut Zorawski.

Kommen wir aber wieder zur schönen Seite des Schenkens. Dr. Michael Zorawski, kognitiver Verhaltenstherapeut in Norderstedt, hat eine spannende Erklärung dafür, warum Schenken uns glücklich macht. "Es gibt die evolutionspsychologische Perspektive. Das heißt, schon vor langer Zeit haben sich unsere Gehirne so entwickelt, dass es nicht nur gut ist, alles für mich zu behalten, sondern dass es sinnvoll ist, anderen zu helfen oder anderen etwas Gutes zu tun. Und dann konnten wir uns auch auf diese Menschen im Falle eines Angriffs von Feinden oder auch vom Bär verlassen." Ganz schön schlau unser Gehirn.

Glücksforscher: "Liebe nicht erkaufen!"

Auch heute macht es natürlich Sinn, soziale Beziehungen zu pflegen und verlässliche Freundschaften zu haben. "Schenken ist Teil des sozialen Klebstoffs", sagt Michael Zorawski. "Ich bin quasi dafür verantwortlich, dass die andere Person sich freut. Das erhöht vielleicht auch die Zuneigung, die ich bekomme." Auf keinen Fall solle man das aber falsch verstehen und sich die Freundschaft oder Liebe erkaufen. Es gehe da vor allem um die Geste, sagte Zorawski. "Wenn ich meinen Kindern einmal im Monat etwas Teures mitbringe, brauche ich mich nicht mehr um sie kümmern - das ist natürlich falsch." Es gehe um Kleinigkeiten und um Aufmerksamkeit. "Obwohl die Onlinehändler es natürlich gerne sehen würden, wenn eine Studie herauskommt, die besagt, dass Schenken uns zu besseren Menschen macht - je teurer das Geschenk, desto besser", lacht Zorawski.

Schenken macht warm ums Herz

Das sieht der Kieler Glücksforscher Uwe Jensen genauso und erinnert sich: "Das tollste Weihnachtsgeschenk war das erste selbst gebastelte Geschenk von meiner Tochter - so ein tongetöpfertes Ding. Das steht immer noch auf meiner Fensterbank." Es sind eben die kleinen Dinge, oder vielmehr die Aufmerksamkeit, die Schenken zu so etwas Tollem machen. Was natürlich nicht heißt, dass sich der zwölfjährige Junge nicht wahnsinnig über seine Playstation oder das Handy freut. Aber dem Schenkenden, dem dürfte beim Anblick dieser Freude, wortwörtlich warm ums Herz werden.

Ich wusste es doch: Schenken macht Spaß und glücklich und sorgt dafür, dass ich im Falle eines Bärenangriffes nicht alleine dastehe. Frohe, friedliche und glückliche Weihnachten für Sie!

Weitere Informationen
Eine selbst gebastelte Geschenktüte vor einem Weihnachtsbaum. © NDR

Am liebsten selbstgemacht: Basteln zu Weihnachten

Weihnachtssterne für den Tisch, Geschenke-Tüten und Baumschmuck - alles aus Papier. So einfach basteln Sie Ihre Deko selbst - fast ohne Kleber oder Kunststoff. mehr

Zerknülltes Geschenkpapier mit weihnachtlichen Motiven © imago images / Frank Sorge

Wohin mit dem gebrauchten Geschenkpapier?

Kein Geschenk ohne hübsche Verpackung. Was gut aussieht, hat auch Nachteile: Tausende Tonnen Geschenkpapier landen im Müll. Wie werden Papier und Folien richtig entsorgt? mehr

Der Weihnachtsmann in einem Schlitten mit Rentier. © picture alliance/Kaisa Siren/Kaisa Siren/dpa Foto: Kaisa Siren

Wer ist der Weihnachtsmann und warum schenkt er?

Wenn der Weihnachtsmann kommt - mancherorts Heiligabend, andernorts am Morgen danach -, hat er Geschenke dabei. Doch warum ist das so und wie ist die Symbol-Figur entstanden? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 23.12.2019 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Im Vordergrund steht ein Schild mit der Aufschrift "Warnstreik", dahinter stehen mehrere leere Busse. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder/dpa

In Kiel, Lübeck und Flensburg stehen viele Busse still

Wer heute Morgen in Kiel, Lübeck und Flensburg auf den Bus angewiesen ist, muss umplanen. Dort bleiben fast alle kommunalen Busse in ihren Depots. Die Gewerkschaft ver.di hat zum Streik aufgerufen. mehr

Bei einer Frau wird ein Abstrich mit einem langen Wattestäbchen in der Nase gemacht. © pathermedia Foto: ryanking999

Corona in SH: 38 neue Fälle bestätigt

Seit Beginn der Pandemie sind in Schleswig-Holstein 4.724 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. Das sind 38 Fälle mehr als am Tag zuvor. Die Zahl der Todesfälle ist seit Wochen unverändert. mehr

Angelique Kerber © imago images/GEPA pictures Foto: Patrick Steiner

French Open: Krachendes Aus für Kerber

Tennisspielerin Angelique Kerber ist bei den French Open in Paris bereits in der ersten Runde ausgeschieden. Die Kielerin unterlag nach einer desolaten Darbietung der Slowenin Kaja Juvan. mehr

Minister für Energiewende Jan Philipp Albrecht steht vor einer Karte von Schleswig-Holstein und gibt ein Interview. © NDR

Endlager-Suche: Albrecht nimmt Bund in die Pflicht

Auch in SH liegen Gebiete, die günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager mitbringen. Umweltminister Albrecht fordert eine klare, wissenschaftliche Linie bei der Entscheidungsfindung. mehr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein