Eine Möwe sitzt auf einer Sirene © picture alliance dpa-Zentralbild ZB Foto: Jens Büttner

Warum der erste bundesweite Warntag in SH floppte

Stand: 30.09.2020 19:46 Uhr

Am 10. September, am ersten bundesweiten Warntag, sollten überall Sirenen heulen und Apps Alarm schlagen. Koordiniert, zur Probe. Doch er floppte - auch weil ein zentraler Zugriff fehlt.

von Stefan Böhnke

Die wohl am meisten gestellte Frage an diesem Tag war: "Hast Du was gehört?" Warum die Antwort oft "nein" lautete, beschäftigte am Mittwoch auch den Innen- und Rechtsausschuss des Landtages. Tim Brockmann, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, brachte es im Anschluss auf den Punkt: "Der Warntag ist eigentlich ein Erfolg, weil er nicht funktioniert hat." Denn nun sei bekannt, wo nachgebessert werden muss.

Kein zentraler Zugriff von Leitstellen

Von den einst 4.230 Sirenen im Land gibt es heute noch 2.600. Viele werden von den Gemeinden für den Brandschutz genutzt. Einen zentralen Zugriff von den Leitstellen gibt es nicht überall - weshalb in vielen Kreisen am Warntag die Sirene stumm blieb. Eine überraschende Erkenntnis für Brockmann: "Ich komme aus einer Generation, die sich noch daran erinnert, dass auf der Rückseite der Telefonbücher entsprechende Sirenen-Signale gewesen sind."

Apps stumm wegen Überlastung

Da sich Warnmeldung von Bund und Ländern überlappten, kam es am Warntag auch noch zu Computerüberlastungen, weshalb auch Warnapps vielfach nicht funktionierten. Diese sehen die Abgeordneten ohnehin nur als Zusatz an - nachts wären schließlich viele Handys stummgeschaltet. Bis zum Warntag 2021 gibt es also viel zu tun.

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