Landwirte demonstrieren mit Traktoren durch die Stadt Kiel.

Warum Landwirte und Umweltverbände in SH noch streiten

Stand: 10.01.2021 06:00 Uhr

In Schleswig-Holstein diskutieren Landwirte und Umweltverbände seit zwei Jahren über die Zukunft der Landwirtschaft. In Niedersachsen gab es innerhalb weniger Monate ein Einigung.

Wie soll es mit der Landwirtschaft weitergehen? Das ist eine der Zukunftsfragen, auf die es sehr unterschiedlichen Antworten gibt. Zu sehen unter anderem bei vielen Protestaktionen: Landwirte demonstrieren für bessere Preise und mehr Anerkennung. Umweltverbände fordern große Veränderungen für die Branche. Ihr Ziel: mehr Tierschutz, mehr Umweltschutz, mehr Klimaschutz. In Niedersachsen wurde der Konflikt entschärft - binnen weniger Monate. Es gibt keine Proteste mehr, sondern große Einigkeit - und sogar einen Vertrag, der zwischen Umweltverbänden, Landwirten und Landesregierung ausgehandelt wurden. In Schleswig-Holstein gibt es einen Dialog-Prozess mit ähnlichen Teilnehmern - doch von einem einheitlichen Weg ist man noch ziemlich weit weg. Woran liegt das?

Mehr Flächen für Umweltschutz in Niedersachsen

In Niedersachsen sollen die Landwirte künftig mehr Naturschutz betreiben und bekommen dafür Geld. Am Ende wurde damit sogar eine Volksinitiative abgewendet. Die Einigung in Niedersachsen umfasst 15 Punkte. So kamen die Beteiligten überein, dass Landwirte künftig mehr Flächen für den Schutz von Wiesenvögeln und Fließgewässern zur Verfügung stellen. Im Mittelgebirge Solling soll zudem ein Wildnisgebiet mit mehr als 1.000 Hektar Wald entstehen.

In SH: Dauerstreit über Dünger

In Schleswig-Holstein klappt das nicht so einfach. Die Hauptakteure sind auch hier Landwirte und Naturschutzverbände. Man redet zwar bereits - und das seit zwei Jahren. Ein Dauerstreitthema war und bleibt wohl auch die neue Düngeverordnung. Sie umfasst nun fünf Prozent der Landesfläche anstatt wie bisher 50. Die Umwelt- und Naturschutzverbände bewerten das als "völlig verfehlt", wie Jürger Leicher vom BUND sagt. "Wir brauchen eine flächendeckend wirksame Düngeverordnung", sagt sein Kollege Ingo Ludwichowski vom Nabu.

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Doch was für die einen zu wenig ist, ist für die anderen eben fast zu viel: "Die Einschränkungen sind so für die Landwirte so groß, dass es schon wirklich wehtut", sagt Werner Schwarz, der Präsident des Bauernverbands. Man müsse aufpassen, dass man nicht übers Ziel hinausschießen. Schwarz sagt aber auch: "Wenn wir sehen, dass es nicht hilft, da wird automatisch nachgeschärft, da brauchen wir gar nicht drüber zu diskutieren".

Uneinigkeit auch bei Insektenschutz und Ringelgänsen

Auch beim Thema Insektenschutz sind die Fronten verhärtet. Die Landwirte sind stolz auf die freiwilligen Blühstreifen - die Umweltschützer hätten gerne verbindliche Schutzstreifen am Rande von Gewässern. Ähnlich wenig Fortschritte gibt es bei der Diskussion um die Ringelgänse an der Westküste. Die Tiere stehen unter Schutz, schädigen die landwirtschaftlichen Flächen. Auch hier finden die Parteien nicht zueinander.

Albrecht: Inhalte des Vertrags zum großen Teil schon umgesetzt

Zwei Jahre Dialog mit wenig konkreten Ergebnissen. Der zuständige Minister Jan Philipp Albrecht (Grüne) ist trotzdem der Meinung, dass man bereits weiter sei als beim Nachbarn Niedersachsen, Teile des Vertrags schon länger umgesetzt sind. "Das, was in Niedersachsen vereinbart wurde, ist zu großen Teilen etwas, was hier in Schleswig Holstein schon Status quo ist". Doch er hofft auch auf mehr: "Nichtsdestotrotz gilt es natürlich auch das, worüber wir hinaus im Dialogprozess diskutieren, in die Praxis umzusetzen."

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiterer Weg. Aber man hat sich das Ziel gesetzt, den Dialog im kommenden Sommer abzuschließen - vielleicht ja mit einem Vertrag.

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