Stand: 19.09.2018 11:53 Uhr

Warten auf ein Spenderorgan: "Es ist qualvoll"

Im OP wird ein Organ transplantiert. © DSO Foto: J. Rey
An der Medizinischen Hochschule Hannover, dem größten deutschen Transplantationszentrum, gehören Organtransplationen zum Tagesgeschäft. Die Zahl der Spender nimmt allerdings immer weiter ab.

In Lübeck sind am Mittwoch etwa 1.000 Mediziner aus ganz Deutschland zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie zusammengekommen. Die Teilnehmer wollen unter anderem darüber diskutieren, wie man es schaffen kann, dass mehr Menschen ihre Organe spenden. Volker Eckhardt aus Bad Segeberg musste sechseinhalb Jahre auf eine Spenderniere warten, ehe er im Mai eine bekam. Bis dahin war er viermal täglich für eine knappe Stunde an ein Dialysegerät angeschlossen.

Horst Hoof: Wie ist das, wenn man sechseinhalb Jahre lang auf ein Organ warten muss?

Volker Eckhardt: Es ist am Anfang spannend, danach wird es immer anstrengender. Man gewöhnt sich in der Mitte der Zeit daran, am Ende ist es qualvoll.

Mandy Schmidt: Die Gedanken, die Sie da die sechseinhalb Jahre beschäftigt haben, welche waren das?

Eckhardt: Als allererstes Hoffnung auf ein neues Organ. Zweitens: Die Problematik mit der Organspende insgesamt.

Schmidt: Also die Gefahren und Ängste vor der Operation?

Eckhardt: Zum Beispiel. Aber auch: Was passiert mit dem Spender? Auch wenn er tot ist - was ist das für ein Gefühl, in sich ein fremdes Organ zu haben? Das sind alles so Probleme, mit denen man sich beschäftigt.

Schmidt: Was hat das für Sie bedeutet, als Sie damals die Nachricht bekommen haben, ein Spenderorgan zu bekommen?

Eckhardt: Man hat kaum noch damit gerechnet. Man hat damit gelebt, aber dann auf einmal kam der Anruf und man ist völlig verwirrt. Da gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf. Man weiß nicht mehr genau, was wirklich los ist.

Hoof: Und dann ja auch noch diese Ungewissheit, nimmt der Körper das Organ überhaupt an? Da sind ja auch ein paar Einschränkungen mit verbunden, dass man auch Medikamente nehmen muss. Wie geht es Ihnen denn jetzt?

Eckhardt: Nachdem ich ein paar Komplikationen hatte, geht es mir jetzt relativ gut. Ich bin im Kopf frei. Das ist das allerwichtigste. Kräftemäßig muss ich noch ein bisschen aufbauen, aber ich bin ganz guter Hoffnung. 

Hoof: Haben Sie denn ein Interesse daran, die Familie des Spenders irgendwann mal kennenzulernen?

Eckhardt: Ja, hätte ich. Um den Menschen auch klar zu machen, dass es - leider noch - keine Selbstverständlichkeit ist. Und die Spender sollte man einfach in den Arm nehmen, um ihnen den Dank auszudrücken.

Hoof: Es gibt Menschen, die sich über Organspende keine Gedanken machen und deswegen vielleicht auch als Spender ausfallen.

Eckhardt: Denen würde ich einfach sagen: Versucht doch mal, am Tag drei bis vier Stunden abzuknapsen und damit zu leben - auch mit dem Gefühl, dass man halt stirbt, wenn es mit dem Spenderorgan nicht klappt.

Schmidt: Wie hat sich denn Ihr Leben seit der Operation im Mai verändert?

Eckhardt: In allererster Linie ist es die Umstellung im Kopf. Die Gedanken gehen wieder ganz normale Wege. Man fängt wieder an zu träumen, zum Beispiel von Urlauben.

Schmidt: Dass Sie überhaupt wieder eine Lebensperspektive haben?

Eckhardt: So ist es. Ich möchte eigentlich allen Menschen sagen: Es gibt fast eine innere Pflicht für eine Organspende. Wenn man tot ist, kann man mit den Organen nichts mehr machen.

Hoof: Ich bin bereit, meine Organe zu spenden, würde aber eigentlich die Entscheidung gerne meiner Frau überlassen. Denn Sie muss wissen, ob sie sich vielleicht noch länger von mir verabschieden will.

Eckhardt: Jeder trauert unterschiedlich lange. Und wenn es lange dauert, geht das mit der Organspende nicht mehr. Deswegen fände ich es praktikabel, dass alle zu Spendern werden - außer bei Krankheiten oder wenn der Sterbende extra darauf hingewiesen hat, dass er es nicht möchte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 19.09.2018 | 09:10 Uhr

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