Gerodete Bäume in Quickborn.

Waldstück in Quickborn abgeholzt - Streit zwischen Stadt und Land

Stand: 18.02.2021 18:41 Uhr

Wie kann es passieren, dass zwei Hektar Wald "versehentlich" gerodet werden? Wie kann man so etwas in Zukunft verhindern? Bürgermeister Thomas Köppl will eine Petition an den Landtag verabschieden.

Auf ihn prasselt zurzeit viel Kritik ein: Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU). Ende Dezember hatte ein Forstunternehmen in seiner Stadt im Kreis Pinneberg in wenigen Tagen ein ganzes Waldstück abgeholzt. Thomas Köppl muss sich seitdem immer wieder rechtfertigen, warum das Ordnungsamt nicht eingegriffen hat, als im Quickborner Wald nach angeblichem Borkenkäferbefall die Bagger rollten. Dabei ist die Stadt laut Landeswaldgesetz gar nicht zuständig. Die Kritik macht den Bürgermeister wütend: "Wir als Stadt Quickborn sind eben nur der Notnagel und können es fachlich nicht beurteilen. Tatsächlich braucht man keine Genehmigung für ein derartiges Vorhaben, sondern eine Anzeige bei der unteren Forstbehörde reicht. Nur dann muss die untere Forstbehörde aber auch für die Ordnungsbehörde erreichbar sein."

Umweltminister: Örtlichen Behörden hätten eingreifen müssen

Am 29. Dezember vergangenen Jahres hatten Anwohner der Stadt gemeldet, dass dieses Waldstück gerodet wird. Telefonisch haben seine Mitarbeiter bei der zuständigen Forstbehörde aber niemanden erreicht, wie Thomas Köppl sagt. Notfallnummern, wie früher, gibt es nach seinen Angaben heute nicht mehr. Aufgrund von Sparmaßnahmen arbeitet in der Behörde außerdem weniger Personal. Im Umweltausschuss des Landtags sagte Anfang Februar dann der für die Forstbehörde zuständige Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), die örtlichen Behörden hätten eingreifen und die Rodung verhindern müssen.

Köppl will Petition an den Landtag verabschieden

"Ich weiß nicht, was in den Umweltminister gefahren ist, so eine Äußerung zu tätigen. Forst ist Aufgabe des Umweltministeriums, nicht der kommunalen Ordnungsbehörde, die das auch fachlich nicht einschätzen kann." Auf die Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein beim Umweltministerium, ob dem Minister die Zuständigkeiten nicht bewusst sind, kam bislang keine Antwort. Im Landtag hatte Jan Philipp Albrecht Anfang Februar noch argumentiert, dass die örtlichen Behörden sich hätten eine Genehmigung für die Rodungsarbeiten vorlegen lassen können. Eine Genehmigungspflicht sieht das Landeswaldgesetz bei Schädlingsbefall laut Bürgermeister Thomas Köppl aber gar nicht vor. Das will er im Quickborner Umweltausschuss ändern und eine Petition an den Landtag verabschieden.

Illegale Rodungen könnten erschwert werden

Er will damit zwei Dinge ändern: "Einmal eine Erreichbarkeit der Umweltbehörden verbessern - und zwar dauerhaft, 24 Stunden, sieben Tage. Und das Landeswaldgesetz entsprechend so zu ändern, dass keine Anzeige reicht, sondern dass eine Genehmigungspflicht für derartige große Eingriffe in unserem schleswig-holsteinischen Wald entsteht." Nach Angaben der Umweltbehörde nehmen die Fälle illegaler Waldrodungen stark zu. Mit einer Genehmigungspflicht auch bei Schädlingsbefall könnten weitere illegale Rodungen zumindest erschwert werden - und auch die Zuständigkeiten wären, so die Überzeugung von Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl, klarer definiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 18.02.2021 | 19:30 Uhr

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