Stand: 27.08.2019 20:48 Uhr

Vossloh verkauft Lokomotivwerk in Kiel

Die rund 500 Mitarbeiter des Kieler Lokomotivwerks von Vossloh bekommen vermutlich einen neuen Eigentümer. Denn der Verkehrstechnikkonzern verkauft sein Lokomotiven-Geschäft nach China. Das Unternehmen teilte am Montagabend mit, es habe einen Kaufvertrag mit einer Tochterfirma der China Railway Rolling Stock Corporation geschlossen. Das ist der weltweit größte Hersteller von Schienenfahrzeugen. Der Kaufpreis soll im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen. Die europäischen Kartellbehörden und auch chinesische Behörden müssen dem Verkauf noch zustimmen.

Für Mitarbeiter soll sich nichts ändern

In dem Kieler Werk werden vor allem Rangierloks entwickelt und produziert. Für die Mitarbeiter soll sich laut Vossloh erstmal nichts ändern. Personelle Veränderungen seien durch den Verkauf nicht vorgesehen, schreibt das Unternehmen. Die IG Metall Kiel-Neumünster begrüßte den Verkauf. Damit habe die Hängepartie für die Mitarbeiter ein Ende, sagte eine Sprecherin NDR Schleswig-Holstein.

Bahninfrastruktur als neues Kerngeschäft

Es ist noch nicht lange her, dass Vossloh 30 Millionen Euro in das Kieler Werk investiert hat. Aber das Unternehmen richtet sich strategisch neu aus. Dass ein Käufer für das Werk gesucht wurde, war bekannt. Die Lokomotivsparte ist laut Vossloh das letzte von ursprünglich drei Geschäftsfeldern der Transportsparte, die es veräußert hat. Künftig will sich die Firma auf das Kerngeschäft der Bahninfrastruktur mit Weichen, Bahn-Schwellen und Signalanlagen konzentrieren.

Wirtschafts-Experte: Chinesen wollen in europäischen Lok-Markt

"Mit der Übernahme der Loksparte wollen sich die Chinesen den lang ersehnten Marktzugang für Lokomotiven in Deutschland und Europa sichern", meint Bernd Bösche von der Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein. Er geht davon aus, dass die Asiaten die Lokproduktion vorantreiben. "Ich glaube schon, dass die Chinesen ein Interesse daran haben, das Geschäft auszubauen. Ich sehe eine Chance für den Standort."

Immer mehr chinesische Unternehmen in SH

Ähnlich große Übernahmen eines chinesischen Investors sind in Schleswig-Holstein bisher nicht die Regel. Ausnahme war der Lübecker Flughafen vor fünf Jahren. "Doch da handelte der Investor zu blauäugig", meint Bösche. "Da fehlte das Konzept. Das ist bei Chinesen manchmal etwas schwierig. Lieber zu schnell vorbeigeschossen als zu lange gezielt." Schon länger sind chinesische Unternehmen mit kleineren Zweigstellen in Schleswig-Holstein vertreten: vom Spielzeughersteller bis hin zu Firmen der Medizintechnik. Die meisten haben sich in Neumünster niedergelassen. "Hier halten sich Erfolg und Misserfolg die Waage", sagt Bösche.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.08.2019 | 22:00 Uhr

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