Stand: 18.12.2018 18:06 Uhr

Vor Treffen: "Gorch Fock"-Fans melden sich zu Wort

Die schlechten Nachrichten für das Segelschulschiff "Gorch Fock" reißen nicht ab.

Wie geht es weiter mit dem Segelschulschiff "Gorch Fock"? An diesem Donnerstag gibt es im Bundesverteidigungsministerium ein Krisentreffen zu dem Schiff. Dabei gehe es darum, sich einen Überblick über die aktuelle Situation zu verschaffen. Man wisse noch nicht, wie sich das Gespräch entwickele, sagte ein Sprecher im Bundesverteidigungsministerium für Angelegenheiten der Marine. Eine mögliche Folge: Das Schiff könnte außer Dienst gestellt werden - auch wenn es innerhalb des Marinestabs inzwischen wieder mehr Befürworter eines Weiterbaus geben soll, wie NDR 1 Welle Nord berichtet. Sollten die Befürworter sich durchsetzen, könnte es sein, dass das Segelschulschiff nicht weiter bei der Elsflether Werft zu Ende saniert wird, da gegen das Unternehmen wegen eines Korruptionsverdachts ermittelt wird. Hintergrund ist die Kostenexplosion bei der Sanierung der "Gorch Fock" in der Werft.

Öffentlicher Druck wird größer

Kommentar

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Auch Ingo Gädechens, CDU-Politiker und Mitglied im Verteidigungsausschuss, ist für einen Erhalt, auch weil 80 Millionen Euro schon ausgegeben wurden. "Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob die bislang beauftragte Werft die Restarbeiten vornimmt oder nicht ein anderes Werften-Konsortium in der Lage ist, die 'Gorch Fock' dann endgültig fertigzustellen und zu Ende zu sanieren", sagte er NDR Schleswig-Holstein.

Für Schlie ist das Schiff eine Botschafterin

Für den Erhalt der "Gorch Fock" wirbt auch Landtagspräsident Klaus Schlie. Er ist so etwas wie der Patenonkel des Segelschulschiffs, da der Landtag 1982 eine Patenschaft für das Schiff übernommen hat. Die "Gorch Fock" sei nicht irgendein Schiff, meinte Schlie. Er mahnte, die Symbolkraft des Schiffes nicht zu vergessen. Seit 60 Jahren sei es als Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland auf allen Weltmeeren unterwegs.

Marinebund fordert Festhalten am Schiff

Die "Gorch Fock" nach mehr als drei Jahren im Trockendock abzuwracken - solche Ideen findet der Präsident des Deutschen Marinebundes, Heinz Maurus, unverantwortlich. Das Schiff müsse jetzt ordentlich zu Ende gebaut werden. Maurus forderte das Bundesverteidigungsministerium auf, auf der Elsflether Werft einen Prüfer einzusetzen, der alles, was mit der Sanierung zu tun hat, ständig überprüft. Denn das Vertrauen in die Werft habe stark gelitten, so Maurus.

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Die "Gorch Fock" wird derzeit in der Elsflether Werft saniert. Das Segelschulschiff befindet sich in einem fast rohbauartigen Zustand.

Die Sanierung könnte aber noch einmal deutlich teurer werden als die bisher veranschlagten 135 Millionen Euro. Außerdem müsste das Vorhaben dann vermutlich ausgeschrieben werden. Bei einem Auftragsvolumen von mehr als 10 Millionen Euro ist das normalerweise der Fall. Viele Unternehmen dürften allerdings für die Arbeiten nicht in Frage kommen, da nicht klar ist, ob die "Gorch Fock" derzeit schwimmfähig ist. Exklusive Aufnahmen, die das Schleswig-Holstein Magazin in der vergangenen Woche von der "Gorch Fock" machte, zeigen, dass sich das Segelschulschiff in einem fast rohbauartigen Zustand befindet.

Durchsuchungen und Ermittlungen

Im Zusammenhang mit der Sanierung des Schiffs hatte die Staatsanwaltschaft in Osnabrück Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit eingeleitet. Am Donnerstagabend wurden die Räumlichkeiten von zwei Firmen und drei Privatpersonen durchsucht. Eines der Objekte war nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen die Elsflether Werft.

Günstige Kredite für Marinearsenal-Mitarbeiter

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass sich ein Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven selbst der Vorteilsnahme bezichtigt hat. Der Mann soll von der Elsflether Werft, die für die Sanierung der "Gorch Fock" zuständig ist, und einer weiteren Firma günstige Darlehen angenommen haben. Nach NDR Informationen geht es dabei um eine 2,5 Millionen Euro teure Immobilie. Der Mitarbeiter war offenbar dafür zuständig, die Preise bei der Reparatur des Schiffes zu überprüfen.

Marine sagt Festakt ab

Der Fall ist besonders brisant, weil die Kosten für die Sanierung völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Ursprünglich waren lediglich rund zehn Millionen Euro veranschlagt worden - ein Bruchteil der inzwischen kalkulierten Summe von 135 Millionen Euro.

Wegen des Korruptionsverdachts hatte die Marine den für Montag geplanten Festakt zum 60. Geburtstag des Schiffes abgesagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.12.2018 | 10:00 Uhr

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