Stand: 23.02.2019 11:50 Uhr

Vom Asylbewerber zum Gastarbeiter

von Thorsten Philipps

Bujar Krasniqi schnürt sich die schwarzen Fußballschuhe in der Kabine des TSV Lensahn und grinst über beide Backen. Endlich hat er einen Ausweis. Da drauf steht: "Aufenthaltserlaubnis". Bis Februar 2023 muss Bujar nun keine Formulare ausfüllen oder zu Gerichtsterminen kommen. "Ich bin so glücklich, dass ich damals hier beim Fußballverein gefragt habe, ob ich mitspielen kann, und dass der Trainer mich zum Training eingeladen hat - sonst wäre ich bestimmt nicht mehr in Deutschland", versichert der Flüchtling aus dem Kosovo, der vor der Blutrache eines Albaners vor fünf Jahren nach Deutschland geflohen war.

Bujar hat sich sein neues Zuhause erarbeitet

Integration durch Fußball

Auch seine Mitspieler Fin-Ole und Thorben Ratje sind froh, dass der inzwischen 30-jährige, fußballverrückte Typ den Weg zum TSV Lensahn gefunden hat: "Er hat sich toll integriert, lernt und passt hierher. Er spricht inzwischen auch gut Deutsch", sagt Fin-Ole. "Er ist ein hilfsbereiter, aufmerksamer Mensch, der viel Rücksicht auf andere nimmt und sich eher in den Hintergrund stellt und diese Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht möchte", fügt Thorben hinzu.

Bujar spielt nicht nur einfach Fußball mit ihnen und geht nach dem Training oder Kreisligaspiel nach Hause - so wie viele andere Flüchtlinge im Verein. "Er setzt sich nach dem Fußball mit uns Jungs zusammen, hört zu und spricht mit uns. Und lernt dadurch natürlich auch schneller die Sprache", erklärt Fin-Ole.

Sport, Arbeit und die Liebe helfen beim Ankommen

Über den Fußball hat Bujar auch seine Freundin Petra Siewert kennen gelernt. Sie leben seit einem halben Jahr zusammen in einem Haus. Anfangs hatte Petra ihm bei vielem geholfen, hat ihn zum Beispiel mit ihrem Auto gefahren, wenn Bujar zum Gericht oder zum Jobcenter musste. Bujar macht gerade jetzt erst seinen Führerschein. "Das war aber nicht aus Mitleid, dass wir uns näher gekommen sind. Sondern weil mich Bujars Durchhaltevermögen trotz all der Ablehnungen vor Gericht und seine Kraft, trotzdem positiv zu denken immer mehr fasziniert hat", sagt sie über ihn. Er sagt einfach nur: "Petra ist die Beste", schaut sie dabei an und gibt ihr einen Kuss.

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Mit seiner Freundin Petra hat Bujar auch sein privates Glück gefunden.
"Duldung" dank Lehrstelle

Mit dem Fahrrad fährt er zum Malerbetrieb von Jens Fagin. Der gab ihm kurz vor der Ablehnung seines Asylantrages vor vier Jahren eine Lehrstelle. Deshalb war Bujar seitdem in Deutschland "geduldet". Vor drei Wochen hatte Bujar zu seinem 30. Geburtstag dann die Aufenthaltsgenehmigung bekommen. "Bujar ist seit einem Jahr bei mir als Geselle auf den Baustellen unterwegs und ein vorbildlicher und zuverlässiger Mitarbeiter", schwärmt der Chef. Wenn er noch drei Jahre weitermacht, ohne arbeitslos zu werden, kann er für immer in Deutschland bleiben. Sein Meister Peter Wohnrath betont: "Wir können nur froh sein, dass wir so einen Mitarbeiter haben. Gute Bewerbungen von Deutschen sind ja eher Mangelware."

Aufgeben gibt es bei Bujar nicht

Bujar ist froh über die Arbeitsstelle, sein Chef ist "tippitoppi", findet der Maler-Geselle. Obwohl er wegen eines Kreuzbandrisses bei einem Fußballspiel vor einem Jahr insgesamt zwei Monate krankgeschrieben war, hatte sein Chef ihm nicht einmal Vorwürfe gemacht. "Echt cool und beeindruckend", meint Bujar. Seit einer Woche kann er auch beim Fußball wieder locker mittrainieren. Der Kreuzbandriss war zwar ein herber Schicksalsschlag, aber Bujar machte eine Reha und kämpfte sich wieder ran: "Aufgeben gibt es bei mir nicht", bemerkt der Kosovare ganz trocken. "Bujar ist so diszipliniert und konzentriert, wenn er sich was vornimmt", unterstreicht seine Freundin Petra. Die beiden wollen noch lange zusammen bleiben - am liebsten in Lensahn, denn hier fühlt sich Bujar inzwischen zu Hause.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 23.02.2019 | 08:40 Uhr

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