Volle Wälder - seit Corona sind mehr Leute im Wald unterwegs

Stand: 06.02.2021 13:58 Uhr

Vielen Förstern fällt in letzter Zeit vermehrt auf, dass sich beim Spaziergang im Wald nicht alle an die geltenden Regeln halten und oft die Rücksichtnahme fehlt.

von Hannah Bird

Maximilian Scheel ist in seinem Revier unterwegs. Er ist seit Januar Leiter der Försterei Reinbek (Kreis Stormarn). Immer an seiner Seite die Dackeldame Susi und die Alpenländische Dachsbracke Greta. 850 Hektar Wald gehören zu seinem Revier. Die Försterei Reinbek ist eine von 32 Förstereien der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Scheel und seine Kollegen appellieren nun für mehr Rücksichtnahme im Wald. Denn seit der Corona-Pandemie sind immer mehr Leute in den Wäldern unterwegs und suchen Erholung, stellen die Förster fest.

Fehlende Rücksicht für Mensch und Tier

"Wir freuen uns, dass so viel in den Wäldern los ist, dass die Menschen in den Wald kommen, sich erholen und den Wald besser kennenlernen", sagt Scheel. Das Problem sei aber, dass es oft zu viele Menschen sind. Weil Abstände dann nicht richtig eingehalten würden, stören und gefährden sie sich gegenseitig. Sie nehmen aber auch nicht genügend Rücksicht "auf die Umwelt und das Waldökosystem, das um sie herum ist. Die Wildtiere, die leiden auch, an die muss man auch denken, die sind überall hier", so Scheel weiter.

Viele Hunde trotz Leinenpflicht nicht angeleint

In den Wäldern gilt generell eine Leinenpflicht für Hunde. Außerdem dürfen Spaziergänger mit Hunden nicht abseits der Wege laufen. Doch nach ein paar Metern begegnet Scheel schon der erste nicht angeleinte Hund. Freundlich spricht er die Besitzerin an. Sie weiß von der Leinenpflicht, sagt aber, dass sie ihn zu jeder Zeit zurückrufen könne. "Leider gilt die Regel für alle. Auch für die Hunde, die erzogen sind. Jeder Hundeführer sagt, dass sein Hund gehorcht", erklärt der Förster. Die meisten Leute, die er anspricht, haben Verständnis und leinen ihre Hunde daraufhin an.

Fünf Rehe im Lütjensee ertrunken

Immer wieder kommt es vor, dass Wildtiere von freilaufenden Hunden gehetzt oder gerissen werden. Vergangenes Wochenende erst hatte es einen Vorfall bei Lütjensee gegeben. Fünf Rehe waren auf den zugefrorenen See gelaufen und im Eis eingebrochen. Die Feuerwehr war vor Ort, konnte aber nur noch die toten Tiere bergen. Ein Zeuge berichtet, ein Hund habe die Rehe aufgescheucht.

Hunde nicht das einzige Problem

Doch die Hunde sind nicht das einzige Problem. Teilweise klettern Spaziergänger unerlaubterweise auf Holzpolter oder nutzen sie als Rastplatz. Das kann gefährlich werden, so Förster Maximilian Scheel. Manche fahren auch unerlaubt mit dem Auto in den Wald. Zum Beispiel, wenn es eine Abkürzung ist, erzählt er. Und oft sind Spaziergänger nicht nur auf den Wegen unterwegs, sondern gehen quer durch den Wald, dort wo es nicht erlaubt ist.

Und dann ist da noch das Problem mit dem Müll. Direkt am Parkplatz in Reinbek hinter einem Mülleimer, liegen ein Scheibenwischer und eine Stoßstange im Laub, gut getarnt durch den Schnee. Häufig findet Reinbeks Förster Müll im Wald. "Weggeschmissene Getränkeflaschen oder Einweg-Kaffeebecher, hier auch ganz viel Gartenabfall - der Wald ist kein Mülleimer, auch nicht für Gartenabfall", mahnt er.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 06.02.2021 | 19:30 Uhr

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