Volle Campingplätze: Stress statt Spontanität

Stand: 13.05.2021 06:00 Uhr

Kaum eine Urlaubsart erfreut sich während der Pandemie einer solchen Beliebtheit wie das Campen. Für Campingsplatzbetreiber ist das aber eine echte Herausforderung.

Hunderte Anfragen, Hunderte Absagen - so läuft es auf dem Campingplatz von Philipp Hoff in Karlsminde bei Waabs an der Ostsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) seit Wochen. Die Plätze für das Himmelfahrts-Wochenende waren schon Wochen im Voraus ausgebucht. Auch für Pfingsten ist nichts mehr zu holen. "Wir sind schon in einer Hochsaisonzeit. Seitdem das Modellprojekt angefangen hat, haben wir so viel zu tun wie sonst in den Sommermonaten", sagt Hoff.

Spontaneität fehlt

Zwölf Stunden sind seine Arbeitstage mindestens lang. Danach hört er auf, die Stunden zu zählen. "Wir gehen ja schon seit Wochen gar nicht mehr ans Telefon. Das ist zwar unhöflich, das wissen wir, aber ein Telefongespräch dauert zu lange. Deswegen haben wir uns auf E-Mails beschränkt", erklärt Platzwart Klaus Wilke. Die meisten Camper hätten dafür Verständnis, trotzdem sei das Camper-Leben so nicht mehr das gleiche. Freitags einfach losfahren oder spontan einen Zwischenstopp machen, klappt nicht mehr. "Das Spontane fehlt schon ein bisschen", sagt eine Camperin. Camperin Gabriele Blazy ergänzt: "Das ist seit ein bis zwei Jahren zunehmend so."

Campen beliebt wie nie

Weil die Schleiregion noch bis einschließlich Sonntag eine Modellregion ist, sind die Campingplätze hier besonders betroffen. Die Corona-Pandemie habe aber grundsätzlich dazu geführt, dass die Menschen Urlaub im Land machen. Wohnmobile erfreuen sich steigender Beliebtheit, denn so können einfach und unkompliziert auch Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Allein im vergangen Jahr wurden deutschlandweit über 100.000 Reisemobile und Caravans neu zugelassen.

Mehr Plätze für mehr Besucher

Mehrmals täglich kommen dennoch unangemeldete Camper in Karlsminde vorbei. Doch ohne Reservierung geht nichts mehr. Philipp Hoff überlegt wegen der gestiegenen Nachfrage sogar, seinen Sportplatz zu Stellplätzen umzuwandeln. 50 zusätzliche Plätze könnte er so anbieten. Dann könnte er vielleicht auch spontanen Besuchern wieder einen Platz anbieten.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.05.2021 | 19:30 Uhr

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