Stand: 17.11.2019 15:26 Uhr

Volkstrauertag: "Verpflichtung für Demokraten"

Bei der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag haben Landtagspräsident Klaus Schlie und Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) vor einem erstarkenden Rechtspopulismus gewarnt. Laut Günther gibt es ein immer stärkeres Vergessen oder Verdrängen der Grauen des Nationalsozialismus. Deshalb, so Günther, sei die Gedenkstunde im Landtag auch keine Pflichtübung, sondern eine Verpflichtung für Demokraten. "Denn wir sind verantwortlich, aus unserer Geschichte Lehren zu ziehen, so dass alle Menschen in unserem Land weiter in Frieden und Freiheit leben können. Besorgt blicken manche - und ich nehme mich davon auch selbst nicht aus - auf den aufkeimenden Hass in Teilen unserer Gesellschaft und viele fragen sich, haben wir denn alles vergessen?", sagte Günther in seiner Rede.

Als gesetzlicher Feiertag gilt der Volkstrauertag nicht. Seit 1922 wird an diesem Tag aber der Opfer von Kriegen und Gewalt gedacht. Im Bundestag sprach der Bundespräsident das Totengedenken. In Schleswig-Holstein richteten der Landtag, die Landesregierung, die Landeshauptstadt Kiel und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gemeinsam die zentrale Gedenkstunde aus.

Ladelund: Erinnerung an Kriegsverbrechen von 1944

In Ladelund (Kreis Nordfriesland) erinnerten Bischof Gothart Magaard und der Honorarkonsul der Niederlande, Hylke Boersta, an die Opfer des Konzentrationslagers und die Zerstörung des niederländischen Ortes Putten durch deutschen Besatzer vor 75 Jahren. Die deutsche Wehrmacht hatte 1944 das Dorf zerstört und 660 Männer in Konzentrationslager verschickt.

Volkstrauertag in Ladelund

Partnerschaftsvertrag: Zeichen von Hoffnung und Frieden

Bischof Magaard sagte: "Wie über Gräber hinweg internationale Zusammenarbeit, Versöhnung und Freundschaft möglich ist, wird am Beispiel von Ladelund deutlich. Den Anfang machte Pastor Johannes Meyer, der es sich 1946 zur Aufgabe machte, die Hinterbliebenen über das Schicksal der 110 Männer aus dem niederländischen Putten, die hier im KZ Ladelund umkamen, aufzuklären und zu besuchen." Die Bürgermeister der Gemeinden Putten und Ladelund unterzeichneten einen Partnerschaftsvertrag. Das sei ein Zeichen der Hoffnung und des Friedens, so Bischof Magaard.

Honoralkonsul Boersta zitierte in seiner Rede den niederländischen Staatssekretär Paul Blokhuis: "Die Generationen, die nach uns kommen, sind Kinder der Freiheit. Um zu verstehen, was diese Freiheit bedeutet und was es zu beschützen gilt, müssten zukünftige Generation wissen, was passiert ist. Unser Privileg der Freiheit ist ein Erbe des Krieges, ein Erbe des Nie-mehr. Dieses Erbe verpflichtet." Er mahnte an, den Frieden zu verteidigen und mit anderen zu teilen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.11.2019 | 15:00 Uhr

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