Zwei Hühner laufen auf dem Stroh in einem Hühnerstall. © imago images / HOFER

Vogelgrippe erreicht Festland: Tote Hühner im Kreis Segeberg

Stand: 09.11.2020 17:03 Uhr

Die Geflügelpest - auch Vogelgrippe genannt - ist erstmals in einer Tierhaltung auf Schleswig-Holsteins Festland ausgebrochen. Ab Dienstag gilt im Kreis Segeberg eine Aufstallpflicht.

Betroffen ist ein Tierhalter aus Heidmühlen im Kreis Segeberg. Nach Angaben des Kreises sind in der Haltung innerhalb von drei Tagen mehr als 30 Prozent der Hühner verendet. Zuvor war demnach eine Wildente im Gehege gelandet und gestorben. Der Kreisveterinär hat die Tötung des Geflügelbestands mit 36 Tieren angeordnet - darunter Hühner, Fasane und Enten.

Geflügel darf nicht mehr ins Freie

Laut Kreis wiesen Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem nationalen Referenzlabor, bei allen verendeten Tieren das Virus H5N8 nach. Man müsse jetzt unbedingt verhindern, dass die Geflügelpest von Wildvögeln auf weitere Nutz- und Haustierbestände übergreifen könne, sagte Segebergs Landrat Jan Peter Schröder (parteilos).

Auch Schutzvorrichtungen sind erlaubt

Mit der in einer Allgemeinverfügung festgelegten Aufstallpflicht darf ab Dienstag kein Geflügel in dem Kreis mehr ins Freie. Nach Angaben des Umweltministeriums ist neben einem Stall auch eine sogenannte Schutzvorrichtung erlaubt. Sie muss aus einer dichten, überstehenden Dachabdeckung und einer Seitenbegrenzung bestehen, die das Eindringen von Wildvögeln verhindert.

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Im Sperrbezirk liegen 24 Betriebe

Um die betroffene Geflügelhaltung wurde ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern eingerichtet. Dort dürfen keine Vögel oder Bruteier aus einem Bestand entfernt werden. Auch Geflügelfleisch darf den Bezirk nicht verlassen. Laut Kreis befinden sich in dem Sperrbezirk 24 Betriebe mit insgesamt 300 Tieren.

Vor allem Nordseeküste betroffen

Eine landesweite Stallpflicht hatte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) ausgeschlossen, weil die Geflügelpest derzeit vor allem die Westküste betrifft. Allein an der Nordseeküste melden die Behörden inzwischen mindestens 3.000 tote Vögel. Am Donnerstag war der erste Fall in einer Nutztierhaltung in diesem Herbst in Deutschland nachgewiesen worden, in einer Hühnerhaltung auf der nordfriesischen Hallig Oland.

Steinburg: Stallpflicht an großen Gewässern

Nach dem Fund eines infizierten Wildvogels gilt nun auch im Kreis Steinburg eine Stallpflicht - zunächst jedoch nur für Betriebe an den großen Gewässern. In einer Allgemeinverfügung hat der Kreis für Betriebe entlang der Elbe in einem Abstand bis drei Kilometer vom Ufer sowie entlang der Stör und dem Nord-Ostsee-Kanal in einem Abstand bis 500 Meter vom Ufer eine Stallpflicht verhängt.

Veterinäre warnen: Nicht anfassen

Veterinäre und der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) warnen eindringlich davor, tote Vögel zu berühren. Nach Angaben eines LKN-Sprechers besteht die Gefahr, dass Menschen zu Virenträgern werden und die Geflügelpest in andere Teile des Landes einschleppen. Zwar gebe es keine Hinweise, dass Geflügelpest-Erreger bisher auf Menschen übergesprungen sind - ausschließen könne das aber niemand, warnte der Sprecher.

Behörden raten, Abstand zu halten

Nach Angaben des Kreises Nordfriesland wollten einige Spaziergänger am Wochenende kranke Vögel zum Tierarzt bringen. Auch die Polizeinotrufe meldeten mehrere Anrufer, die sich erkundigt hätten, was sie mit erkrankten Vögeln unternehmen sollen. Die Behörden raten, Abstand zu halten und die Vögel in Ruhe sterben zu lassen. Funde sollten dem Veterinäramt gemeldet werden.

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Schleswig-Holstein Magazin | 09.11.2020 | 19:30 Uhr

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