Ein parkendes Auto mit zerstörter Frontscheibe © Daniel Friederichs Foto: Daniel Friederichs

Versuchter Mord? Mutmaßliche Steinewerfer vor Gericht

Stand: 12.11.2020 16:22 Uhr

Wegen versuchten Mordes müssen sich seit Donnerstag drei junge Männer vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Sie sollen in der Gemeinde Brebel zwei Steine auf einen Kleinbus geworfen haben.

Die Steinwürfe auf den mit Senioren besetzten Bus im August 2018 stehen im Mittelpunkt des Prozesses. Zwei der drei jungen Männer aus Kappeln, Schleswig und Flensburg haben am Morgen vor Gericht ausgesagt und erzählten von abgebrochenen Ausbildungen, einer sprach von starkem Alkohol-Konsum. Die Männer wohnten zu der Zeit bei ihren Eltern.

Insgesamt rund 50 Steinwürfe

Die Verlesung der Taten dauerte insgesamt über eine Stunde. Neben dem Steinwurf auf den Kleinbus werden den drei Männern rund 50 Steinwürfe auf 34 parkende Autos in Kappeln, Norderbrarup, Gelting, Süderbrarup und andere Orten im Raum Angeln vorgeworfen. Hinzu kommt Brandstiftung. Ein Haus ist komplett zerstört, ein weiteres stark. Außerdem steht Tankstellenbetrug mit gestohlenen Kennzeichen auf der Liste. Der gesamte Schaden soll - grob überschlagen - laut Anklage bei 400.000 Euro liegen.

Einer der drei Angeklagten gestand zu Prozessauftakt nahezu alles. Bei den Steinwürfen auf den Kleinbus sei er allerdings unbeteiligt gewesen, er habe es nur klirren gehört. Dann habe es Streit zwischen den Dreien gegeben.

Anklage Versuchter Mord

Der schwerste Vorwurf in dem Verfahren ist versuchter Mord. Der Angriff auf den besetzten Kleinbus war der einzige auf ein fahrendes Auto. Aber laut Anklage kein Versehen. Einer der drei Männer sei am Steuer gewesen, überholte den Kleinbus, die anderen beiden kurbelten die Seitenscheiben runter und warfen gezielt zwei 20 Zentimeter große Pflastersteine auf den Bus, so die Anklage. Ein Stein verfehlte einen Insassen nur knapp und blieb im Wagen liegen. Ein weiterer Stein verfehlte sein Ziel. Den Männern sei klar gewesen, dass sie die Insassen hätten töten können. Und all das, laut Staatsanwaltschaft, aus Langeweile und Belustigung. Dies rechtfertige die Anklage auf Versuchten Mord. Andere Motive sind nicht bekannt, außer bei der Brandstiftung des Reetdachhauses, dort soll es auch darum gegangen sein, Spuren eines Einbruchs zu verwischen.

Die Polizei ermittelte die drei Männer am 2. Oktober 2018 als Tatverdächtige. Da keine Haftgründe vorlagen, wurden sie nicht in U-Haft genommen. Sie befinden sich weiterhin auf freiem Fuß. Bis Mitte Dezember sind weitere neun Prozesstage geplant.

Weitere Informationen
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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.11.2020 | 12:00 Uhr

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