Stand: 08.06.2018 16:24 Uhr

Verpackte Lebensmittel: Ja zum Schredder-Verbot

Die Umweltminister der Bundesländer haben sich für ein Verbot des Schredderns von noch verpackten Lebensmitteln ausgesprochen. Das teilte das schleswig-holsteinische Umweltministerium am Freitag mit. Ressortchef Robert Habeck (Grüne) und sein Partei- und Ministerkollege Franz Untersteller aus Baden-Württemberg hatten einen entsprechenden Antrag bei der Umweltministerkonferenz in Bremen eingebracht. Ziel ist, dass weniger Plastikreste auf landwirtschaftlichen Flächen landen.

Unternehmen: Auspacken ist zu teuer

Habeck hatte sich seit dem Umweltskandal an der Schlei, bei dem große Mengen von Plastikteilen am Ufer und im Wasser gelandet sind, für das Schredder-Verbot eingesetzt. Bislang werden abgelaufene Lebensmittel aus den Supermärkten oft zusammen mit ihren Plastikverpackungen zerkleinert, weil das Auspacken zu teuer wäre. Das Plastik kann dann bei der Bio-Verwertung in die Umwelt gelangen - wie in der Schlei geschehen.

Entscheidung hätte weitreichende Folgen

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Robert Habeck hat mit seinem Amtskollegen aus Baden-Württemberg für das Schredder-Verbot stark gemacht.

Habeck war vor dem Umweltskandal in Schleswig-Holstein nach eigener Aussage nicht klar gewesen, dass Recyclingunternehmen abgelaufene Lebensmittel zusammen mit ihren Verpackungen zerkleinern, weil das Auspacken zu viel Zeit und Geld kostet. Folgt der Bund dem Vorschlag der Umweltminister, dürften Firmen wie ReFood - in die Schlei-Vorfälle involviert - künftig keine verpackte Ware mehr zerhacken.

Düngemittelverordnung: 0,4 Prozent sind erlaubt

Bislang werden die Plastikpartikel nach dem Schreddern mit Zentrifugen und Siebgittern zum Teil entfernt. Rückstände bleiben in der Biomasse enthalten. Diese darf auf Feldern landen, wenn bei den Plastikteilen bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Laut Düngemittelverordnung sind 0,4 Prozent Fremdstoffe erlaubt. Das SPD-geführte Bundesumweltministerium hält das für zulässig.

Entscheidung über aktuelle Praxis liegt beim Bund

Bislang sah man in Berlin auch noch keinen Bedarf, Recyclingunternehmen zum Auspacken abgelaufener Lebensmittel zu verpflichten. Am Ende entscheidet der Bund, ob es nun doch bald so kommt. Der verabschiedete Antrag der Umweltminister soll in Berlin als Signal verstanden werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.06.2018 | 16:00 Uhr

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