Stand: 11.09.2018 05:00 Uhr

Verbraucherzentrale: Zusatzkosten beim Glasfaseranschluss

Glasfaser ist das Zauberwort für schnelles Internet - und Schleswig-Holstein soll bis 2025 flächendeckend ans Glasfasernetz angeschlossen sein. Das ist zumindest das Ziel der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Zwei von drei Haushalten besitzen momentan noch kein schnelles Internet. Daher lassen Anbieter vielerorts Glasfaserkabel verlegen. Der Ausbau kommt also voran. Allerdings klappt der Umstieg auf die schnelle Verbindung laut Verbraucherzentrale oftmals nicht reibungslos. Jede Woche melden sich bei den Kieler Verbraucherschützern Dutzende Menschen, weil sie Probleme mit dem Anschluss ans Glasfasernetz haben.

Verbraucher berichten von Problemen beim Anschluss

Es beschweren sich unter anderem Kunden, die plötzlich ohne Telefon und Internet dastehen, weil der neue Anbieter seinen genannten Anschlusstermin nicht halten kann - und der alte Vertrag bereits gekündigt wurde. Ein Beispiel aus Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde): Dort muss ein Haushalt seit gut zwei Wochen ohne Fernsehen auskommen, obwohl der Glasfaseranschluss problemlos ans Haus gelegt wurde - die Verbindung ist allerdings noch nicht aktiv. Als Notlösung müssen Kunden sich dann ein Unternehmen suchen, das einen monatlichen Anschluss anbietet.

"Sie schließen dann einen weiteren Vertrag ab und haben dann zusätzliche Kosten", sagt Boris Wita von der Verbraucherzentrale. Diese Zusatzkosten kann laut Verbraucherschützer nur jemand erstattet bekommen, der beim Glasfaseranbieter auf eine entsprechende Vertragsklausel geachtet hat. "Ist das nicht der Fall, können und sollten Kunden darauf bestehen, dass dies zusätzlich in den Vertrag aufgenommen oder in einer zusätzlichen Vereinbarung schriftlich festgehalten wird", meint Wita.

Stadtwerke Neumünster räumen Verzögerungen ein

Die Stadtwerke Neumünster, einer der größten Anbieter von schnellem Internet im Land, räumen Verzögerungen ein. Das liege unter anderem daran, dass es wegen des Bau-Booms schwierig sei, Unternehmen zu finden, teilten die Stadtwerke mit. In Dithmarschen beispielsweise kommen die Tiefbaufirmen nach Angaben des Dithmarscher Zweckverbands kaum noch hinterher.

Schäden nach Bauarbeiten - und nun?

Außerdem beklagen sich Schleswig-Holsteiner, weil sie Schäden an der Haus-Auffahrt oder im Garten haben, nachdem das Glasfaserkabel unterirdisch verlegt worden ist. "Zum Beispiel werden Pflastersteine nicht fachgerecht wieder eingesetzt, Rasenbegrenzungen oder Pflanzen zerstört", sagt Wita und fügt an: Wer für diese Schäden haften muss, darüber gebe es immer wieder Streit. Er rät dazu, die Schäden erst zu dokumentieren, etwa mit Fotos, einem Protokoll und mit Hilfe eines Zeugen. "Für die Reparaturarbeiten sollten Betroffene dann einen Kostenvoranschlag bei einem Fachbetrieb einholen. Anschließend sollten sie ihren Anbieter für den Glasfaseranschluss auffordern, diese Kosten zu übernehmen", erklärt der Experte für Verbraucherrecht.

Weitere Informationen

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Schleswig-Holstein soll bis 2025 flächendeckend ans Glasfasernetz angeschlossen sein, ein ambitioniertes Ziel. In Kiel haben 60 Unternehmen nun ein Bündnis gegründet. (02.07.2018) mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.09.2018 | 08:00 Uhr

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