Urteil im Fall Nathalie M.: Lebenslänglich für den Angeklagten

Stand: 12.02.2021 16:32 Uhr

Der gewaltsame Tod von Nathalie M. aus Nordfriesland sorgte 2019 bundesweit für Aufsehen. Das Landgericht Flensburg hat den 47-jährigen Angeklagten am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord der 23-jährigen Nathalie M. ist am Flensburger Landgericht das Urteil gesprochen worden. Der Vorsitzende Richter teilte am frühen Freitagnachmittag mit, dass der 47-jährige Angeklagte lebenslang ins Gefängnis muss. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die junge Frau aus Stadum im Sommer 2019 umgebracht hat. Wie im gesamten Prozessverlauf schwieg der Verurteilte auch bei der Urteilsverkündung.

Viele Indizien sprechen gegen den Mann

Tathergang und Todesursache der jungen Frau sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Laut Gericht sprechen trotzdem viele Indizien gegen den Mann aus Humptrup, die zu einem stimmigen Bild zusammengesetzt werden können.

Ausgewertete Handydaten haben ergeben, dass er und Nathalie M. am Tag ihres Verschwindens gemeinsam an einem Ort waren. Am Elektroschocker, mit dem der Verurteilte Nathalie ruhiggestellt haben soll und im Auto des Mannes wurde die DNA der jungen Frau gefunden.

Staatsanwaltschaft beantragte lebenslange Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes mit anschließender Sicherungsverwahrung beantragt. In ihrem Plädoyer am Montag hatte die Strafverfolgungsbehörde eingeräumt, dass sich durch die Beweisaufnahme eine konkrete Tathandlung und die Todesursache zwar nicht aufklären ließen. Die Anklage beruft sich deshalb auf eine Indizienkette: Daran sei festzustellen, dass der Angeklagte die Frau vorsätzlich getötet haben müsse. Eine Fahrlässigkeit des Angeklagten könne demnach ausgeschlossen werden.

Angeklagter schweigt

Die Verteidigung hingegen fordert einen Freispruch - die Beweise reichten nicht aus, hieß es. Zudem hätten die Sachverständigen nach Auffassung der Verteidigung zahlreiche Anhaltspunkte genannt, die darauf hindeuten, dass die Frau auch infolge einer unerkannten Herzerkrankung gestorben sein könnte. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat der Angeklagte zu den Vorwürfen beharrlich geschwiegen.

Über Datingportal kennengelernt

Die Leiche von Nathalie M. war 2019 auf einem Feld nahe der dänischen Grenze gefunden worden. Der Angeklagte und das Opfer sollen sich über eine Datingplattform im Internet kennengelernt haben, auf der sich die junge Frau aus Stadum prostituiert haben soll. Am 17. August 2019 soll der heute 47-Jährige mit ihr zu einem abgelegenen Waldweg in Schafflund gefahren sein und sie laut Anklage dort getötet haben.

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Mit Schutzbrille und Mundschutz sitzt der 47-Jährige Angeklagte beim Auftakt des Verfahrens im Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

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Ermittler in weißen Schutzanzügen und weitere Personen stehen während eines Polizeieinsatzes im Zusammenhang mit der vermissten 23-jährigen Nathalie aus Nordfriesland neben einem Polizeifahrzeug in der Nähe des Resthofs des Tatverdächtigen in Nordfriesland. © dpa-Bildfunk Foto: Benjamin Nolte

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.02.2021 | 08:00 Uhr

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