Ein verunfalltes Auto steht an einer Autobahnböschung, daneben stehen Rettungswagen und die Feuerwehr © NDR Foto: Daniel Friederichs

Unwetter mit Starkregen in SH: Viele Einsätze und Unfälle

Stand: 01.07.2021 12:44 Uhr

Erneut hat ein Unwetter über Schleswig-Holstein für zahlreiche Einsätze gesorgt. Bäume knickten um, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll und es gab Unfälle. Itzehoe erlebt einen Jahrhundertregen.

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) waren wegen des Unwetters, das am Mittwoch über Schleswig-Holstein hinweggezogen ist, zum Teil bis Donnerstagmorgen im Einsatz. Ihre Hilfe wurde vielerorts dringend benötigt: Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen gab es in weiten Teilen des Landes. In Sievershütten (Kreis Segeberg) drohte durch den Starkregen der vergangenen beiden Tage ein Regenrückhaltebecken überzulaufen. Die Feuerwehr ist im Pump-Einsatz. Nach Angaben der Regionalleitstelle West in Elmshorn ist im Kreis Pinneberg ein Baum auf ein Auto gestürzt. Die darin sitzende Frau sei dabei schwer verletzt worden, befinde sich aber nicht in Lebensgefahr, hieß es. Darüber hinaus wurde Aquaplaning vielen Autofahrern zum Verhängnis.

Jahrhundertregen in Itzehoe

Besonders betroffen vom Starkregen waren Itzehohe und die Kreise Segeberg und Steinburg. Vor allem Itzehoe erlebte einen echten Jahrhundertregen. Dort fielen nach Messung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von Mittwoch- bis Donnerstagmorgen 111,1 Liter Regen je Quadratmeter. Das entspreche einem extremen Starkregen, der im statistischen Mittel seltener als einmal alle 100 Jahre an diesem Ort auftritt. Der höchste Wert innerhalb einer Stunde betrug laut DWD 33,3 l/m². Rund 50 Kilometer südöstlich in Hamburg (Fuhlsbüttel) fielen innerhalb von 24 Stunden dagegen nur 22,7 l/m².

Zahlreiche Einsätze durch Starkregen

Die zuständige Regionalleitstelle in Elmshorn verzeichnete seit Mittwochmittag fast 250 wetterbedingte Einsätze, von denen ein Großteil auf die Region Steinburg, Segeberg und Itzehoe entfiel. Die Autobahnauffahrt Itzehoe-Mitte ist noch bis morgen gesperrt. Laut Autobahnmeisterei unterspülte starker Regen dort eine Bankettet. Auch in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein hatte die Feuerwehr viel zu tun. 180 Mal rückten die Einsatzkräfte seit Mittwochnachmittag aus, teilte die zuständige Leitstelle mit. Die Feuerwehr Neumünster zählte 14 wetterbedingte Einsätze, ebenfalls hauptsächlich überflutete Keller und Straßen.

Eiderstedt: B202 wegen Wassermassen gesperrt

Feuerwehr pumpt knöchelhoch stehendes Regenwasser in einem Vorgarten eines Hauses und auf einer anliegenden Straße in Garding. © Feuerwehr Garding
Auch in Garding (Kreis Nordfriesland) hatte die Feuerwehr viel zu tun. Starkregen sorgte für überschwemmte Straßen.

Alle Hände voll zu tun hatten die freiwilligen Feuerwehren auch in Garding (Kreis Nordfriesland). "Innerhalb kürzester Zeit waren die Straßen überflutet, weil das Kanalnetz überfordert war", sagte Wehrführer Dennis Kielinski im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Straßen und Bürgersteige seien teilweise nicht mehr zu sehen gewesen. Wegen der Wassermassen war die B202 für mehrere Stunden gesperrt. Sie ist die wichtigste Durchgangsstraße nach St. Peter-Ording.

Auch im Bereich Rendsburg war die Feuerwehr einige Male unterwegs. Seit den frühen Morgenstunden am Donnerstag sei die Lage aber entspannt, berichten alle Leitstellen übereinstimmend.

Mehrere Unfälle wegen Aquaplaning

Insgesamt sieben Menschen wurden bei Unfällen auf der A7 bei Neumünster verletzt. Ein mit sechs Personen besetzter Wagen geriet laut Berufsfeuerwehr am Mittwochabend in Höhe Neumünster-Mitte in Fahrtrichtung Hamburg ins Schleudern und überschlug sich. Alle Insassen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden und wurden auf Hamburg, Neumünster und Kiel verteilt. Zwei Stunden später verlor der Fahrer eines zweiten Autos in Höhe Neumünster-Süd die Kontrolle über seinen Wagen. Auch er überschlug sich. Der Rettungsdienst brachte den Mann in ein Krankenhaus nach Hamburg.

Weitere Unfälle auf A7 und A23

Zwischen Kaltenkirchen und Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) auf der A7 kam ein Transporter auf der nassen Fahrbahn durch Aquaplaning ins Schlingern und prallte gegen die Leitplanke. Das Fahrzeug blieb qualmend stehen. Der Fahrer konnte sich selbst befreien und kam mit leichten Verletzungen davon.

Donnerstag früh gab es außerdem weitere zwei Unfälle auf der A23 zwischen Elmshorn und Tornesch. Laut Polizei gerieten dort vier Fahrzeuge auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern.

Haus in Bad Schwartau drohte einzustürzen

Einen großen Einsatz gab es am Mittwoch auch in Bad Schwartau (Kreis Ostholstein): Dort flutete der Regen die Baugrube eines Einfamilienhauses und unterspülte die Seitenwände. Kurze Zeit drohte Einsturzgefahr. Den Einsatzkräften gelang es aber, das Haus zu sichern. 60 Einsatzkräfte waren vor Ort.

In einer anderen Straße in Bad Schwartau, der Pariner Straße, gab es einen Erdrutsch. Der Regen hatte dafür gesorgt, dass mehrere Meter Gehweg und Teile der Straße zusammenbrachen. Die Straße musste gesperrt werden.

Weitere Informationen
Ein Familie muss Wasser schippen in einer übergelaufenen Garage.

Unwetter: Viele Einsätze in SH, Haus in Bad Schwartau abgesichert

Starkregen hat erneut viele Keller volllaufen lassen. In Bad Schwartau drohte ein Haus einzustürzen, konnte aber gestützt werden. mehr

Eine vom regen überschwemmte Straße in Scharbeutz © NDR Foto: Julian Marxen

Viele Einsätze wegen Unwetters im Kreis Plön und im Süden von SH

Wegen Gewitter, Sturm und Starkregen mussten die Rettungsdienste in Schleswig-Holstein zu mehr als 450 Einsätzen ausrücken. mehr

Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Foto: Ronald Wittek

Verkehrsmeldungen für Schleswig-Holstein

Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise und Behinderungen auf den Straßen - die aktuelle Verkehrslage in Schleswig-Holstein. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.07.2021 | 12:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Luftaufnahme des Kieler Standorts der ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). © ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)

Staatliche Beteiligung bei TKMS in Kiel?

Die Kieler Werft fordert mehr Unterstützung für die Branche - gerade was Konsolidierung oder Schlüsseltechnologie betrifft. mehr

Videos