Stand: 16.09.2019 09:42 Uhr

Unter Beobachtung: Sumpfohreulen sind zurück

Zum ersten Mal seit 2003 sind die Sumpfohreulen zurück auf dem schleswig-holsteinischen Festland: In der Miele-Niederung und in der Windberger Niederung (Kreis Dithmarschen) sind ingesamt etwa 140 Tiere zu Gast. Normalerweise gibt es zehn von ihnen im nördlichsten Bundesland - und das nur auf Amrum. Nun hat eine Vielzahl von Mäusen - dem Hauptnahrungsmittel - die Eulen offenbar aufs Festland gelockt. Der Ornithologe und Schutzgebietbetreuer in Dithmarschen, Hilger Lemke, erzählt: "Wir hatten ganz wenig Erfahrung mit der Art, weil man sie sehr selten zu Gesicht bekommt." Er hat bislang erst eine balzende Sumpfohreule gesehen. In Deutschland ist die Art vom Aussterben bedroht.

Nester entstehen auf dem Boden

Ihre Nester bauen die Tiere auf dem Boden, weshalb sie häufig Opfer von Mähdreschern werden. Die Sumpfeulen-Invasion in Dithmarschen ist ein großes Glück für die Ornithologen. Invasionen sind die unregelmäßigen Einflüge und Brutansiedlungen der nomadisch lebenden Tiere.

Lemke und sein Kollege Klaus Jödicke begleiten Landwirte auf ihren Mähdreschern, um die Eulen zu entdecken und zu retten. Danach ziehen sie los, um die Tiere weiter zu beobachten. Sie wollen herausfinden, wie lange die seltene Eulenart an einem Ort bleibt und wie ihr Brutverhalten ist.

Viele Mäuse: gute Bedingungen für die Eulen

Die Ornithologen suchen auf ihren Kontrollgängen nach Spuren. "Das eindeutige Indiz ist diese relativ kleine Feder mit der ganz typischen Färbung", erklärt Lemke. Auch Schlafmulden und Gewölle können auf die Tiere hindeuten. Als Gewölle bezeichnet man ausgewürgte, unverdauliche Nahrungsreste. In diesem Fall bestehen sie hauptsächlich aus Fell von Mäusen, so Jödicke.

Die Ornithologen wissen: Dass es in diesem Sommer viele Mäuse gab, erklärt, warum zurzeit so viele Sumpfohreulen da sind. Durch den milden Winter und den trockenen Sommer 2018 hatten sich die Nager besonders stark vermehrt.

"Eine wunderschöne, elegante Art"

Die Eulen lassen sich besonders gut beobachten, weil sie tagaktiv sind. Lemke und Jödicke kommen nah an sie heran. Sie entdecken vier Eulen, darunter zwei Jungtiere. Jödicke schwärmt, während er das Spiel der Tiere am Himmel beobachtet: "Das ist schön anzusehen. Denn das ist eine wunderschöne, elegante Art." Die Jungvögel stammen aus der zweiten Brut. Normalerweise brüten Sumpfohreulen nur einmal. Es sei denn, es gibt ein besonders großes Nahrungsangebot.

Weil die Sumpfohreule so selten ist, haben die beiden Ornitholgen noch viele offene Fragen. Lemke und Jödicke wollen die Zeit, in der die Tiere in Dithmarschen noch unterwegs sind, nutzen, um nach ihnen zu suchen und so viel wie möglich über sie herauszufinden.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.09.2019 | 19:30 Uhr

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