Stand: 18.10.2019 11:59 Uhr

Türkischer Militärgruß auf Fußballplätzen in SH?

Mit einer speziellen Art des Torjubels hat die türkische Nationalmannschaft zuletzt für große Aufregung gesorgt: Spieler zeigten den Militärgruß, um ihre Solidarität mit den türkischen Soldaten zu demonstrieren, die wegen des Kurden-Konflikts in Nordsyrien einmarschiert sind. Inzwischen gibt es unter Fußballern in Amateurligen zahlreiche Nachahmer. Eine brisante Entwicklung, denn in vielen Amateurligen - auch in Schleswig-Holstein - treffen Kurden und Türken aufeinander, teils spielen sie sogar in der selben Mannschaft. Die Frage "Militärgruß oder nicht?" stellt sich also auch dort. Der Ligamanager von Inter Türkspor Kiel, Berkant Özel, betont, er habe seinen Spielern gesagt, dass grundsätzlich jeder seine Einstellung äußern dürfe. "Ob er den Gruß zeigt oder nicht, ist also jedem selbst überlassen. Aber der Spieler muss dann auch die Konsequenzen tragen", betont Özel.

Militärgruß könnte Fall für Sportgericht werden

Während Fußballverbände in Berlin und NRW betonen, dass Nachahmern der türkischen Nationalspieler sportrechtliche Folgen drohen, gibt sich der Schleswig-Holsteinische Fußballverband zurückhaltender. "Das Thema sollte nicht größer gemacht werden, als es ist", findet Verbandssprecher Karsten Tolle. Trotzdem würden sich nun auch die Schiedsrichter fragen, was sie bei einem Militärgruß zu tun hätten. Das will der Landesfußballverband den Schiedsrichtern deshalb nun in einem Schreiben erläutern. Kommt es zu einem solchen Vorfall, soll das laut Tolle nach der Partie im Spielbericht vermerkt werden. Ob dann jemand gesperrt werde, müssten später die Sportgerichte entscheiden, so der Verbands-Sprecher. Bisher sind ihm keine Fälle aus Kreis- oder Verbandsligen in Schleswig-Holstein bekannt, in denen türkische Fußballer beim Torjubel salutiert haben.

Auch der Verein Inter Türkspor Kiel geht mit dem Militärgruß recht gelassen um. In dem Klub würden Türken und Kurden gemeinsam spielen und sich wunderbar verstehen, sagte Ligamanager Özel im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord. Ohnehin sei der Militärgruß in der Türkei nicht unbedingt als politisch anzusehen. Vielmehr gehe es darum, den Soldaten zu sagen, dass sie wieder gesund aus dem Krieg zurückkehren sollten, so Özel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 18.10.2019 | 08:40 Uhr

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