Trotz Insolvenz - Hoffnung für Nobiskrug?

Stand: 14.05.2021 05:00 Uhr

Die Rendsburger Werft für Luxusjachten Nobiskrug ist pleite. Vor einem Monat musste sie Insolvenz beantragen. Der neue Geschäftsführer sucht jetzt einen Investor.

von Malin Girolami

Sie bauen Jachten, die so viel kosten wie ein ganzes Einkaufszentrum: Nobiskrug gehört zu den Weltmarktführern, wenn es um die Ansprüche der Superreichen geht. Und doch steht das Traditionsunternehmen seit Jahren unter Druck, musste vor einem Monat Insolvenz beim Amtsgericht Neumünster beantragen. Jetzt hat Nobiskrug einen neuen Geschäftsführer und der soll bis zum 1. Juli einen Investor finden. Martin Hammer ist seit 30 Jahren im Geschäft und Experte für Sanierungen im Schiffsbau.

Neuer Geschäftsführer in der Krise

Er kommt, wenn Unternehmen tief in der Krise stecken und zahlungsunfähig sind, so wie Nobiskrug. Der Hamburger Martin Hammer hat sich auf Restrukturierungen spezialisiert. Sein Ziel hier: vermeiden, dass die Werft abgewickelt wird, und so viele Jobs wie möglich erhalten. Dafür muss er zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einen Investor finden, denn ohne fremdes Geld schafft es Nobiskrug nicht.

Pleite - obwohl Aufträge da sind

Aufträge sind da. An drei Megajachten arbeiten die hochspezialisierten Fachkräfte aktuell. In der großen Werkshalle herrschen konstant 20 Grad, um die hochsensiblen Materialien zu schützen. Viel zu sehen für die Öffentlichkeit gibt es nicht an der Eider. Kunden, die mehrere 100 Millionen Euro für ein Schiff zahlen können, fordern Diskretion. Weltweit Aufsehen erregte Nobiskrug 2017 mit der "A", der größten Segeljacht der Welt, gebaut im Auftrag eines russischen Oligarchen.

Gerade weil in diesem Superpremium-Bereich alle Gewerke reibungslos synchronisiert sein müssen, habe es in der Vergangenheit gerumpelt. Mehrere Managementwechsel hätten die Probleme nicht kleiner, sondern größer gemacht, so Hammer. Ausbleibende Aufträge, nicht fristgerechte Zahlung der Rechnungen und zuletzt die weltweite Pandemie seien Gründe, die zur Insolvenz geführt hätten.

Vertrauen schaffen, Fachkräfte halten

Auf einer Veranstaltung der IG Metall stellt Hammer sich nach acht Tagen im Unternehmen zum ersten Mal der Belegschaft vor. 330 Mitarbeiter sind aktuell bei Nobiskrug beschäftigt. Sie wissen noch nicht, wie sie den Mann aus Hamburg einordnen sollen, der hier um ihr Vertrauen wirbt und der Werft eine Zukunft verspricht. Denn schon vor einem Jahr gab es einen Restrukturierungsprozess. 120 Mitarbeiter mussten gehen. "Wir haben so viel durchgemacht, letztes Jahr Kollegen verloren. Wenn man so was hört, dann will man es glauben, aber es ist schwer", sagt Jörg Werner Klein vom Betriebsrat. Wie Martin Hammer ist auch er seit 30 Jahren in der Branche. Nur hat er gerade Angst um seinen Job.

Ziel: Ein neuer Investor

Nach Angaben von Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann haben sich bereits mehrere finanzstarke Interessenten gemeldet. Die Gespräche laufen, allerdings habe man gegenseitige Verschwiegenheit vereinbart. Hammer ist optimistisch, eine Lösung für die Werft zu finden - mit dem guten Ruf von Nobiskrug, den bestehenden Aufträgen und dem Fachwissen der Belegschaft auf der Haben-Seite. Im vergangenen Jahr hat er die Abwicklung der Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) abwenden können, indem er den Investor Lars Windhorst überzeugte, die Traditionswerft zu kaufen. Und da sei die Lage deutlich schwieriger gewesen, weil keine Aufträge da gewesen seien und die Mitarbeiter keine Arbeit mehr gehabt hätten. In Rendsburg sei die Lage anders. Allerdings hätten die Krisen der vergangenen Jahre die Werft ausgepresst. Deshalb will Hammer das Know-How unbedingt auf der Werft halten und appelliert an Fachkräfte, nicht zum Wettbewerber zu wechseln. Der Betriebsrat bleibt skeptisch und möchte Taten sehen. Viel Zeit bleibt Hammer nicht. Am 1. Juli wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.05.2021 | 19:30 Uhr

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