Trockenheit in den Wäldern - Starkregen nützt gar nichts

Stand: 17.07.2021 13:50 Uhr

Der Regen der vergangenen Wochen hat die Wasservorräte der Wälder in Schleswig-Holstein etwas aufgefüllt, aber die Böden sind trotzdem zu trocken. Ein Beispiel: der Sörener Wald bei Bordesholm.

Förster Jörn Winter gräbt mit dem Spaten ein etwa 40 Zentimeter tiefes Loch in den Waldboden. Er nimmt die Erde in die Hände, fühlt, reibt und prüft die sogenannte Bindigkeit. Sie entsteht zum einen über die Feuchtigkeit, zum anderen über das Substrat. "Hier merkt man einfach, dass eine sehr schwache Bindigkeit da ist, obwohl es auch ein lehmhaltiges Substrat ist. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass wir im Moment relativ wenig Wasser zur Verfügung haben." Anders gesagt: Der Waldboden ist in dieser geringen Tiefe zu trocken, obwohl es in den vergangenen Wochen den einen oder anderen starken Regenfall gegeben hat.

Niederschlag wird immer weniger - Wald verändert sich

Damit flachwurzelnde Bäume die Trockenheit überleben, brauchen sie Wasser genau in den obersten Bodenschichten. Das Problem mit dem Starkregen ist Folgendes, erklärt Jörn Winter: "Starkregen nützt uns leider sehr, sehr wenig, weil das Wasser sehr schnell abfließt und nicht in den Boden versickert." Starkregen wird es aber vermutlich immer häufiger geben. Allerdings nehme der Niederschlag insgesamt ab: Von 2041 bis 2070 - die Zeit des nächsten Klimaprognose-Zeitraums - wird sich laut Winter der Niederschlag von Mai bis Oktober reduzieren, und zwar von 360 Millimeter auf 285 Millimeter. Und diese Prognose bedeutet für die Wälder: Sie werden sich ändern. "Wir werden die Fichte verlieren, und wir werden die Rotfichte und die Europäische Lärche verlieren", prognostiziert der Waldexperte.

Grundwasserstand ist größtenteils stabil

Tiefwurzelnde Bäume sind im Moment noch nicht so gefährdet, wenn ihre Wurzeln denn tief genug reichen. Eine Messstelle zeichnet täglich den Grundwasserstand auf, und das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume liest ihn regelmäßig ab. In einer Tabelle ist der Pegel der vergangenen 40 Jahre dokumentiert. "Da sind Schwankungen drin, aber der langfristige Trend ist eindeutig konstant", sagt Martin Schmidt vom Landesamt.

Neues Konzept: Wasser wird in Gräben gestaut

Also kümmert sich Förster Jörn Winter vor allem um seine flachwurzenden Bäume. Statt mit Gräben zu entwässern - wie es seine Vorgänger getan haben - bewässert er nun den Wald. In den Gräben staut er das Wasser mit lehmhaltigem Material, im Sörener Forst schon an 80 Stellen. Sie verschließen quasi die Gräben, damit das Wasser im Sommer länger gehalten werden kann. "Wir versuchen hier, einen annähernd naturnahen ursprünglichen Wasserhaushalt wiederherzustellen." Starkregen kann so besser ausgenutzt werden. Das Stauen hilft auch der Tierwelt wie etwa dem Kammmolch. Sein Wald wird sich verändern. Man muss sich mit der Realität abfinden und ihn weiterentwickeln, sagt Jörn Winter, damit auch die zukünftigen Generationen die Natur genießen können - auch wenn sie dann teilweise anders aussehen wird.

Weitere Informationen
Buchenwald © Fotolia.com Foto: emer

Wie wird der Wald fit für den Klimawandel?

Der Wald spielt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz, doch Hitze und Trockenheit setzen den Bäumen immer mehr zu. Wie kann der Wald als Kohlenstoffspeicher geschützt bleiben? mehr

Junge Grashalme stecken in vertrockneter Erde © Colourbox Foto: Phimchanok

#wetterextrem - Der Norden im Klimawandel

Die Erde wird immer wärmer. Wetterextreme oder der Anstieg des Meeresspiegels sind die Folgen - sie zeigen sich auch in Norddeutschland. Informationen und Hintergründe. mehr

Ein Walgebiet aus der Luft betrachtet.
5 Min

Klimawandel: Waldflächen in einem katastrophalen Zustand

Um dem entgegenzuwirken, ist eine enorme Wiederaufforstung notwendig. Maximilian Hempel von der DBU mit einer Einschätzung. 5 Min

Eine Frau schaut einen Waldweg entlang während sie an einem Baum lehnt. © dpa-Bildfunk Foto: Björn Vogt

In deutschen Wäldern werden immer mehr Pestizide gespritzt

In Deutschland ist der Einsatz von Pestiziden in staatlichen Wäldern der Bundesländer massiv gestiegen. mehr

Blick aus einem Wald auf ein Feld. © NDR Foto: Veronika Schwarz aus Grammentin

Waldumbau als Reaktion auf Klimawandel

Dürre, Insektenbefall, Stürme und Brände haben den Wäldern in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren zugesetzt. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 17.07.2021 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Im Vordergrund vor einer Gartenparty wird ein Teller mit Melone gezeigt. © imago-images Foto: ingimage

Corona-Regeln: Diese Lockerungen gelten ab morgen

Es gibt Änderungen bei privaten Treffen und Veranstaltungen. Und auch die Testpflicht wird weiter gelockert. mehr

Videos