Treckerfahrer filmt Wolf im Kreis Steinburg

Stand: 16.10.2020 15:07 Uhr

Ein Wolf im Kreis Steinburg scheint sich für die Landwirtschaft zu interessieren: Minutenlang beobachtet das Tier zwei Traktoren bei der Feldarbeit. Einer der Treckerfahrer hat das Tier gefilmt.

Obwohl einzelne Wölfe über Wochen oder Monate in Schleswig-Holstein leben, gibt es bisher nur wenige Fotos oder Videos der Raubtiere. Wölfe gelten als scheu und schwer zu fotografieren. Anders war das am Dienstagnachmittag: Dort hat sich ein Wolf minutenlang auf einem Feld im Kreis Steinburg gezeigt und zeigte auch vor umher fahrenden Traktoren keine Angst. Ein Treckerfahrer filmte das Tier mit seinem Smartphone. Ein Gutachter im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein sichtete die Videosequenzen und kommt zu dem Schluss, dass es sich um einen Wolf handelt. Jens Matzen, der Koordinator der Wolfsbetreuer, bestätigte dem NDR eine Meldung der "Norddeutschen Rundschau".

Wolfsbetreuer: "Wölfe sind neugierig"

"Der Wolf war etwa eine halbe Stunde auf dem Feld", sagte der Treckerfahrer, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Auf einer Videosequenz ist zu sehen, wie der Wolf erst wegläuft, nachdem der Treckerfahrer die Tür des Schleppers öffnete. Die Videos entstanden nach Angaben des Treckerfahrers zwischen den Dörfern Peissen und Reher nördlich von Itzehoe. "Wölfe sind neugierig", sagte Wolfsbetreuer Jens Matzen. "Gerade bei jungen Tieren ist das Verhalten völlig normal."

Landesamt warnt vor Angriffen auf Herden

Das Landesamt für Landwirtschaft und ländliche Räume (LLUR) hatte unterdessen am Donnerstag Schäfer im nahe gelegenen Kreis Dithmarschen vor neuen Wolfsangriffen auf ihre Herden gewarnt. Wenn jetzt die Schafe von den Deichen auf die Winterweiden getrieben werden, sollten die Schäfer dringend wolfsabweisende Zäune aufstellen, sagte ein LLUR-Sprecher. Das Zaunmaterial werde kostenlos ausgegeben und sei in sogenannten Wolfspräventionsgebieten wie Dithmarschen die Grundlage für Entschädigungen. Schäfer kritisieren die entstehende Mehrarbeit beim Aufstellen von Zäunen, weil sie durch das Land nicht vergütet wird.

GW1536m seit Juli an der Westküste

Seit Juli hält sich ein junger Wolf an der Westküste auf. Das belegen mehrere DNA-Proben von verletzten oder getöteten Schafen und von gefundenen Haaren. Das Tier mit der Kennung GW1536m stammt aus einem Rudel in Dänemark, das im vergangenen Jahr sechs Welpen bekommen hatte. Ein Bruder des Tieres mit der Kennung GW1536m hatte im Februar und März zahlreiche Schafe an der Westküste Schleswig-Holsteins gerissen, wanderte dann aber zurück nach Dänemark.

Um welchen Wolf es sich auf dem Video aus dem Kreis Steinburg handelt, wird sich voraussichtlich nicht klären lassen. Laut Jens Matzen konnte eine Wolfsbetreuerin lediglich Pfotenabdrücke auf dem Acker finden. Mit Haaren oder Kot hätten Forscher die DNA des Tieres bestimmen können. Nach Angaben von Matzen sind sogenannte Individualisierungen allein aufgrund von Fotos von Videos nur in den Fällen möglich, wenn die Tiere spezielle Merkmale haben.

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Ein Wolf steht auf einem Waldweg. © Robert de Mol

Dossier: Wölfe in Schleswig-Holstein

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele Menschen im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.10.2020 | 08:30 Uhr

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