Traventhals Kampf um Stroh, Sonne und Wind

Stand: 03.10.2020 06:00 Uhr

Windkraft, Solarstrom, Warmwasserspeicher und Biogas aus Stroh - die Gemeinde Traventhal plant seit Jahren ein großes Ökoenergieprojekt. Aber das Ganze könnte nun scheitern.

von Hannah Bird

Der Bund will das Modellprojekt fördern. Doch das Land lehnt die Planungen ab. Ein spezielles Kraftwerk ist in Planung, das sogenannte Sektorenkopplungskraftwerk mit dem Namen "Trave-Landwerke". Damit will Traventhal nicht nur den Energiebedarf seiner Einwohner decken, sondern auch den der Nachbargemeinden. Im Norden der Gemeinde sollen dafür ein Solarthermiefeld, eine Strohvergärungsanlage und ein großer Warmwasserspeicher entstehen, im Osten bis zu sieben Windkraftanlagen. Das Projekt, sagen sie, sei bundesweit bisher einmalig.

Förderung vom Bundeswirtschaftsministerium

Im Frühling kommt für die Gemeinde Traventhal und die Firma Lorica die gute Nachricht: Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 170.000 Euro für die Planungskosten. Im Rahmen des Förderprogramms Wärmenetze 4.0. "Der Förderbescheid über die 170.000 Euro hat große Freude bei uns ausgelöst. Aber viel größer wird die Freude sein, wenn wir dann die Fördersumme von neun bis zehn Millionen erhalten für die Umsetzung", freut sich Bürgermeister Udo Bardowicks. Das sei ein Startschuss.

Land stimmt Plänen nicht zu

Doch kurz danach der Dämpfer: Das Land stimmt dem beschlossenen Flächennutzungsplan der Gemeinde nicht zu. Außerdem wird der Gemeinde untersagt, weitere Planungen vorzunehmen. Das Land droht mit Verbots- und Untersagungsverfügungen. Das wolle man sich aber nicht gefallen lassen, so Bürgermeister Bardowicks. "In Berlin wird unser Vorhaben als mustergültig für die ganze Republik anerkannt, und in Kiel nimmt man die Sektorenkopplung nicht einmal zur Kenntnis", so der Bürgermeister.

Ministerin: "Wir können da keine Windkraft genehmigen"

Die Windkraftanlagen seien auf Flächen geplant, die außerhalb geplanter Vorranggebiete lägen, so die Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Im Regionalplanentwurf sei dort eben keine Windvorrangfläche vorgesehen - also eine Fläche, die vorrangig für Windkraft genutzt wird. "Das war es nie und das ist es auch nicht. Deswegen können wir da keine Windkraft genehmigen", so die Innenministerin. Das habe das Innenministerium der Gemeinde bereits im Herbst 2018 mitgeteilt. "Das hat nichts damit zu tun, dass wir die Sektorenkopplung nicht wollen, wie immer aus Traventhal vorgetragen wird. Selbstverständlich befürworten wir die Sektorenkopplung, aber sie waren nie innerhalb der Vorrangflächen mit diesem Gebiet", erklärt die CDU-Ministerin. Trotzdem habe die Gemeinde an ihren Plänen festgehalten.

Zu den Vorwürfen der Gemeinde und Planer, dass der Bund das Projekt fördere und das Land sich dagegen stelle, hieß es aus dem Innenministerium: Der Bund sei nur dafür zuständig ein Projekt zu prüfen und ob dieses gefördert wird. Das Land prüfe aber die baurechtlichen Vorausetzungen.

Bürgermeister darf juristische Wege einleiten

Bei einer Gemeindevertretung Ende August waren sich alle einig: Traventhals Bürgermeister wurde beauftragt, alle möglichen Rechtswege gegen eventuelle Verfügungen des Landes auszuschöpfen. Die Gemeinde glaubt weiterhin an die Umsetzung des Ökoenergieprojekts und ist optimistisch. Mitte September hat Traventhal Klage gegen das Land eingereicht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.10.2020 | 19:30 Uhr

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