Tornado-Experte: Es hätte in Kiel schlimmer ausgehen können

Stand: 30.09.2021 13:18 Uhr

Der Tornado-Experte vom Deutschen Wetterdienst, Andreas Friedrich sowie Klimaforscher Mojib Latif sind sich sicher: Bei einem anderen Verlauf hätte der Tornado am Mittwochabend noch mehr zerstören können.

Wäre die gewaltige Windhose durch die Innenstadt Kiels gezogen, hätten Dachziegel wie Geschosse durch die Gegend fliegen können, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Der Tornado war aber über der Kieler Förde entstanden und über die Kiellinie gezogen. Dort waren am Mittwochabend um etwa 18 Uhr nicht sehr viele Menschen unterwegs. Dennoch wurden sieben Personen verletzt, unter ihnen Ruderer.

Tornado von sieben Kilometern Länge

Friedrich schätzt die Rotationsgeschwindigkeit des Tornados auf 118 bis 180 Kilometer pro Stunde. Das gehe mit "zerstörerischer Kraft" einher. Am Boden habe er sich aber nur mit Tempo 10 bis 20 fortbewegt. "Von der Stärke her ist es nach ersten Auswertungen aber ein eher schwächerer Tornado gewesen." Auch die Länge der Windhose ist bekannt: Die Wetterexperten schätzen sie auf sieben Kilometer.

Zwei weitere Tornados über Kiel

Die Meteorologen haben sich den genauen Verlauf des Tornados angesehen. Meist sei er über schwach bebautes Gebiet gezogen. Über der Förde habe sich kurzzeitig ein sogenannter Multivortex-Tornado gebildet, sagte Friedrich. Dabei seien am Boden zwei benachbarte Tornados zu beobachten gewesen. "An Land hat sich der Tornado dann aber relativ schnell aufgelöst."

Mojib Latif: Kein Zusammenhang mit Erderwärmung

Prof. Mojib Latif, Klimaforscher aus Kiel © Kirche im NDR Foto: Marco Voigt
Laut Klimaforscher Mojib Latif sind Tornados nicht vorhersehbar.

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif sagte, er sehe keine Verbindung zur globalen Erderwärmungbestz und damit kein Anzeichen des Klimawandels. "Es ist ein seltenes Phänomen, das hin und wieder auftaucht, bedeutet aber keine neue Qualität." Auch Latif ist der Meinung, dass der Tornado von Kiel durchaus hätte mehr zerstören können. "Aber er hat sich ja im Wesentlichen über dem Wasser ausgetobt." Tornados seien nicht vorhersehbar - und das sei das Problem, so der Klimaexperte. Viele bleiben ihm zufolge auch unbemerkt, wenn sie auf dem Meer auftreten.

Meeno Schrader: Nicht Schutz unter Bäumen suchen

NDR Schleswig-Holstein Wetterexperte Meeno Schrader weist daraufhin, dass man sich im Falle einer Windhose am besten ins Haus begeben sollte. Es sei gefährlich, draußen zu sein und den Tornado zu filmen. "Am besten in den Keller, dann ist die Gefahr am geringsten." Auf keinen Fall sollten die Menschen Schutz unter Bäumen suchen, denn die werden von solch einer Windhose im Zweifel umgerissen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.09.2021 | 14:00 Uhr

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